Forschungsprofil

Diese Übersicht zeigt die wichtigsten aktuellen Forschungsthemen am Institut für Kunstgeschichte. In den Profilen der Mitarbeitenden finden Sie die vollständigen Themen, Projekte und Publikationen.

... und theoretisch-methodische Erschließung“ gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung

Projektleiterin: Prof. Tanja Zimmermann

Mitarbeiterinnen: Elizaveta Berezina, Alexandra Sommer
Wissenschaftliche Hilfskraft: Nina Breuer

Laufzeit: 01.10.2022 – 31.09.2024/31.09.2025 (mit Verlängerung)

Die sog. Naive Kunst, d.h. das Werk autodidaktischer Künstler:innen, die den an Akademien unterrichteten Kunstkanon entweder nicht studiert haben oder den dort unterrichteten Lehren und Normen nicht gefolgt sind, bereiten der Kunstkritik und Kunstgeschichtsschreibung bis heute Schwierigkeiten. Ein von Mythen der Ursprünglichkeit und Authentizität geprägtes Verständnis besonders in der frühen Kunstkritik steht der kunsthistorischen Einordnung und damit der wissenschaftlichen Erfassung grundsätzlich im Wege. Entdeckt durch die Avantgarde, die in ihnen Vorläufer oder Mitstreiter auf dem Weg zu einem neuen, von Konventionen befreiten Sehen erblickte, werden sie in der Kunstgeschichte als marginale Erscheinungen an der Peripherie der Moderne wahrgenommen. Völlig übersehenen blieben bisher die über achtzig internationale Ausstellungen der Naiven in der Zwischenkriegs- (1920er–1940er Jahre) und Nachkriegszeit (1950er–1970er Jahre), deren Werk über die Grenzen von Nationen oder politischen Systemen hinweg weltweit eine Hochkonjunktur erlebt hat. Im Rahmen des Projekts wird ihre Rolle in den politisch-ästhetischen Aushandlungsprozessen zwischen abstrakten und figurativ-gegenständlichen Kunstströmungen in Umbruchsperioden in verschiedenen Regionen untersucht.

Das Ziel des Projekts ist es, 1. die internationale Ausstellungsgeschichte der Naiven Kunst zu erschließen, 2. deren Rolle als Katalysator in Transformationen des Kunstkanons in Umbruchzeiten zu bestimmen und 3. über die historische Perspektive hinaus einen neuen systematischen, theoretisch-methodischen Zugang für ihre bessere Integration in die Kunstgeschichtsschreibung zu erarbeiten. Dabei sollen literatur- und medienwissenschaftliche Theorien über die sog. „sekundären oralen Kulturen“ im Kontext technisierter Medien herangezogen werden, die durch spezifische kognitive, kommunikative und narrative Muster gekennzeichnet sind, wie die Reduktion auf einfache, schematisierte und mnemotechnisch tradierte Muster, die additive Aneinanderreihung sich wiederholender Erzählstrukturen, eine unmittelbare Dialogizität usw. Auf dieser Grundlage soll versucht werden, eine visuelle Oralität als ein mediales System mit einer spezifischen Form von Bildnarrativik und Rezeptionsvorgaben in die Kunstgeschichte einzubinden.

 

Nadja Horsch

Das Projekt ist der Untersuchung der höfischen Eremitagen gewidmet, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert nach dem Vorbild ‚echter’ Einsiedeleien als Grotten, Hütten oder Ruinen für Angehörige der gesellschaftlichen Oberschicht zahlreicher europäischer Länder errichtet wurden. Am häufigsten handelt es sich um Kleinarchitekturen im Garten, doch sind auch als Eremitagen gestaltete Innenräume sowie ganze Schlossanlagen mit Eremitagenthematik überliefert. Die funktionale Bandbreite reicht von Orten privaten religiösen Rückzugs über Schauplätze höfischer Geselligkeit bis zur Staffage als Stimmungsträger im Garten.
Das Projekt zielt schon allein aufgrund der schwierigen Überlieferungssituation weniger auf eine Vollständigkeit anstrebende ‚Geschichte’ der Eremitagen ab als auf eine Herausarbeitung zentraler formaler, ikonographischer und funktionaler Themen.

Einige Ergebnisse des Projektes flossen in die Ausstellung “Repräsentation und Rückzug” ein, die 2018 in Kooperation mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg (Dr. Petra Pechaček) realisiert wurde.

Nadja Horsch (Red.), Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (Hg.): Repräsentation und Rückzug. Die Eremitage von Schloss Favorite Rastatt. Ausst.-Kat. Rastatt 2018. Petersberg 2018.
(darin: “Lustige Wildnis”: Echte und höfische Einsiedeleien, S. 9–31; Zwischen Sakralität und Säkularität. Höfische Einsiedeleien um 1720, S. 121–135, sowie mehrere Katalogeinträge)

Tanja Zimmermann

Seit ihrer Massenproduktion im 19. Jahrhundert werben Freizeit- und Tourismusbilder für Erholung und Genuss. Zugleich prägen sie die Ästhetik landschaftlicher Räume, die dabei in übergeordnete, ideologisch geprägte, geopolitische Rahmen verortet werden. Ihre Fähigkeit, zwischen ruralen und urbanen Lebenskonzepten zu vermitteln, machte sie zum wirksamen Instrument der Identitäts- und Gemeinschaftsstiftung in Nations- und Staatbildungsprozessen. Im Projekt wird verfolgt, wie durch Bild-Text-Kodierungen in verschieden medialen Etappen und historischen Perioden (Imperialismus, Zwischenkriegszeit, Kalter Krieg, nach der ‚Wende‘) Erholungslandschaften kodiert und in geopolitischen Zusammenhängen verortet wurden. Zur Debatte steht auch, wie sich dieser Prozess gegenwärtig in Ost-, Mittelost- und Südosteuropa weiter fortsetzt. 

Tanja Zimmermann: Das ‚neunte Land‘. Touristische Fotoreportage über die Heimat. In: Zeitschrift für Slavische Philologie 76/1 (2020), S. 113-136. (https://zsph.winter-verlag.de/issue/ZSPH/2020/1)

Tanja Zimmermann

Tanja Zimmermann: Geschichte und Mythos in Comics und Graphic Novels (=Bildnarrative. Studien zu Comics und Bilderzählungen 6, Hg. Monika Schmitz-Emans, Dietrich Grünewald). Unter Mitwirkung von Julia Krah und Kerstin Borchhardt. Berlin: Christian A. Bachmann Verlag 2019.

Tanja Zimmermann: Zwischen Dokumentation und Vision: Comiczeichner als Reporter und als Seher. In: Bernd Dolle-Weinkauff (Hg.): Geschichte im Comic. Befunde – Theorien – Erzählweisen. 10. Wissenschaftstagung der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor). Berlin: Ch. A. Bachmann Verlag 2017, S.  77-94.

Armin Bergmeier

The book project investigates the relationship between Venice and the Eastern Mediterranean in the twelfth and thirteenth centuries, challenging modern divisions of culture and history parsed along nation-state identities. It examines shared historical and material legacies as markers of identity in Byzantium, Venice, and Seljuk Anatolia, arguing for the visual construction of a common Eastern Mediterranean past. By doing so, the project reassesses established scholarly notions of spolia use and historical consciousness, and it deconstructs myths concerning the triumphal display of trophies in Venice and in Seljuk lands.

Podcasts des Seminars hier

wichtige Publikationen

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Atelier

Interviews von Künstlern der Leipziger Schule durch Studierende (MMKoehn 2022)

 

Frank Zöllner (Hrg.)

"Atelier"
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... in der DDR"

Stimmen und Erinnerungen aus vier Jahrzehnten (DOM publishers 2022); Rezension hier:

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Arnold Bartetzky, Nicolas Karpf, Greta Paulsen

"Architektur und Städtebau ...
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"Antipoden" - Neue Leipziger Schule

Katalog zur Ausstellung MÄDLER ART FORUM Leipzig (2021)

 

Frank Zöllner (Hrsg.)

Antipoden
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Paragone - Leonardo in Comparison

Michael Imhof Verlag (2021)

 

Johannes Gebhardt, Frank Zöllner (Eds.)

"Paragone"
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Bürger - Gärten - Promenaden

Leipziger Gartenkultur im 18. und 19. Jahrhundert, Passage-Verlag 2018

 

Nadja Horsch, Simone Tübbecke (Hrsg.)

"Bürger Gärten Promenaden"

am Institut laufende Dissertationsprojekte

Ausstellungshalle