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Wir freuen uns, ab dem 13. März 2024 die Türen der Gipsabguss-Sammlung für Sie öffnen zu können!

Öffnungszeiten:
Mittwoch 15:00 bis 18:00 Uhr
An gesetzlichen Feiertagen geschlossen.

Sie finden uns am Dittrichring 13, 1. OG.
Der Eintritt ist kostenfrei.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Verschieden Gipsabgüsse von antiken Skulpturen im Depot des Antikenmuseum, Foto: Marion Wenzel
Verschieden Gipsabgüsse von antiken Skulpturen im Depot des Antikenmuseum, Foto: Marion Wenzel

Rundgang durch die Sammlung

Das Antikenmuseum in Leipzig und seine Abgüsse antiker Skulpturen

Öffentliche Museen mit Gipsabgüssen gehörten bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zu den festen Bestandteilen im Erscheinungsbild größerer Städte. Sie dürfen für diese Zeit als zentrale Einrichtungen im Kunst- und Kulturleben angesehen werden. Bei den präsentierten Abgüssen handelt es sich um dreidimensionale Replikate meist antiker, griechischer und römischer Skulpturen im Maßstab 1:1. Die Idee, Sammlungen solcher Objekte einzurichten, geht bereits auf die zweite Hälfte des 17. Jahr hunderts zurück. Zu dieser Zeit wurden Gipsabgüsse für die Zeichensäle neu gegründeter Kunstakademien erworben. Hier schulten die Studenten ihre Fähigkeiten in der Wiedergabe menschlicher Körper (Abb. 1).

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Abb. 1: Blick in den Innenraum einer Akademie, in der Zeichenübungen durchgeführt werden. Kupferstich von Pierfrancesco Alberti (1584–1638). New York, Metropolitan Museum Inv. 49.95.12. CC0 1.0 DEED.
Abb. 1: Blick in den Innenraum einer Akademie, in der Zeichenübungen durchgeführt werden. Kupferstich von Pierfrancesco Alberti (1584–1638). New York, Metropolitan Museum Inv. 49.95.12. CC0 1.0 DEED.

In Leipzig ist das Sammeln von Abgüssen wie vielerorts eng mit der Etablierung der archäologischen Wissenschaft an der Universität verbunden. Studierende sollten mit ihrer Hilfe Objekte vergleichen, die über die Museen der gesamten Welt verstreut aufbewahrt wurden. Dies erweiterte die Kenntnis antiker Skulpturen und ergänzte das Studium der originalen Artefakte. Der Bestand der Sammlung umfasst heute neben den antiken Originalen in der Alten Nikolaischule noch ungeähr 800 Gips abgüsse. Sie zählt damit zu den historisch bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland.

Bereits ab 1840 erhielt das als Lehr- und Studiensammlung gegründete Antikenmuseum einen provisorischen Standort am Augustusplatz. Das erste Museum für die Werke antiker Kleinkunst und Abgüsse konnte im Jahr 1843 im nahegelegenen ›Fridericianum‹ (Abb.2) auf etwa 240 qm eingerichtet werden. Seit ihrer Entstehung war die Abguss-Sammlung Ort des Studiums der Archäologie, aber zugleich auch der Öffentlichkeit zugänglich.
- Jörn Lang

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Abb. 2: Leipzig, Schillerstraße 7, Blick auf das sog. ›Fridericianum‹ im Jahr 1925, heute als Folge eines Luftangriff es im Dezember 1943 nicht mehr erhalten. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Abb. 2: Leipzig, Schillerstraße 7, Blick auf das sog. ›Fridericianum‹ im Jahr 1925, heute als Folge eines Luftangriff es im Dezember 1943 nicht mehr erhalten. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Sammlung der Abgüsse zu einem zentralen Ort für das Studium der Archäologie ausgebaut. Insbesondere Johannes Overbeck (1826–1895) erwarb als Direktor des Museums im Januar 1853 bis zum Ausscheiden aus dem Dienst 1895 fast ausschließlich Gipsabformungen antiker Statuen. Den Umfang der Sammlung lässt der ›Führer durch das archäologische Museum‹ erahnen, den Overbeck 1859 und in neuer Fassung im Jahre 1881 vorlegte.

Franz Studniczka (1860–1929) setzte als Nachfolger diese erfolgreiche Arbeit fort. Die in ihrer Blütezeit rund 3.000 Inventarnummern zählende Abguss-Sammlung war bis zum Zweiten Weltkrieg als sichtbarer Bestand teil fest im repräsentativen Erscheinungsbild der Universität verankert. Nachdem der erste Standort im ›Fridericianum‹ trotz Erweiterungen keinen hinreichenden Platz mehr bot, zog die Sammlung 1881 zunächst ins Hauptgebäude der Universität am Augustusplatz.

Nur wenige Jahre später bezog das Museum an diesem Standort neues Quartier. Nun fanden die Abgüsse auf über 1300 qm Aufstellung im ›Johanneum‹, dem Südflügel des von Arwed Roßbach umgestalteten Hauptgebäudes der Universität (Abb. 1). Auch hier stand sie nicht nur Forschenden und Studierenden zu Lehr- und Studienzwecken zur Verfügung, sondern auch der interessierten Leipziger Öffentlichkeit. Einen Glanzpunkt bildete der imposante Abguss einer monumentalen Skulpturengruppe, des sog. ›Toro Farnese‹ in Neapel. Sie war noch von Overbeck erworben worden, doch sollte er selbst die Aufstellung im Jahre 1896 nicht mehr erleben können.
- Jörn Lang

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Abb. 1: Leipzig, Augustusplatz, sog. ›Johanneum‹. Blick in den ›Oberlichtsaal‹ mit Reliefs und Statue des Augustus von Primaporta. Foto: Antikenmuseum Leipzig.
Abb. 1: Leipzig, Augustusplatz, sog. ›Johanneum‹. Blick in den ›Oberlichtsaal‹ mit Reliefs und Statue des Augustus von Primaporta. Foto: Antikenmuseum Leipzig.

Zerstörung und Einlagerung

Der aussichtsreichen Zukunft zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde spätestens durch den Zweiten Weltkrieg ein abruptes Ende gesetzt. Alle nicht ausgelagerten Originale, das Archiv und der größte Teil der Abguss-Sammlung fielen im Dezember 1943 einem Bombentreff er des Universitätshauptgebäudes zum Opfer (Abb. 1). Dieses Ereignis führt deutlich vor Augen, wie die Geschichte der Sammlung die Leipziger Stadtgeschichte spiegelt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Abb. 1 Leipzig, Universitätsstraße, Straßenansicht des zerstörten ›Johanneum‹; Zustand 1946. © Deutsche Fotothek, Johannes Baufeld
Abb. 1 Leipzig, Universitätsstraße, Straßenansicht des zerstörten ›Johanneum‹; Zustand 1946. Copyright: Deutsche Fotothek, Johannes Baufeld

Nach Kriegsende wurde das Antikenmuseum im Zuge der Reorganisation der archäologischen Einrichtungen 1955 in bescheidener Form im ›Hellenistischen Saal‹ wieder eingerichtet. Zuvor konnten über 600 Gipsabgüsse aus den ausgebrannten Ausstellungsräumen geborgen werden: Sie bilden den erhaltenen historischen Kern der heutigen Sammlung. Die sozialistische Hochschulpolitik und der Abriss des Universitätskomplexes am Augustusplatz am 20. Juli 1968 führten zu einem temporären Ende der Einrichtung.

Der größte Teil der verbliebenen Abgüsse wurde notdürftig in einen ehemaligen Kohlenbunker eingelagert (Abb. 2). Bei Objekten an anderen Standorten führte die langjährige Unterbringung auf knappem Raum zu weiteren Verlusten und durch Feuchtigkeit zu teils irreparablen Schäden. Einige Statuen mussten daher eine wiederholte Umlagerung auf sich nehmen. Während die originalen Werke zumindest in Teilen in Sonderausstellungen gezeigt werden konnten, blieben die Abgüsse der Öffentlichkeit forthin verborgen.
- Jörn Lang

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Abb. 2: Leipzig, Nürnbergerstraße, Depot für einen großen Teil der Gipsabgüsse zwischen 1968 und 1999. Aufnahme Mai 1997. Archiv Antikenmuseum. Foto: Susanne Pfisterer-Haas
Abb. 2: Leipzig, Nürnbergerstraße, Depot für einen großen Teil der Gipsabgüsse zwischen 1968 und 1999. Aufnahme Mai 199. Archiv Antikenmuseum. Foto: Susanne Pfisterer-Haas

Gegenwärtige Aufbewahrung und Perspektiven

Auch nach der politischen Wende der Jahre 1989/90 und der Neustrukturierung der Universität verharrte die Sammlung zunächst in den provisorischen Depoträumen. Doch war durch die rapide Verschlechterung des baulichen Zustandes, vor allem aber die Gefahr von Wasser einbrüchen die Existenz der Abguss-Sammlung in höchstem Maße bedroht. In dieser Not situation stellte die Universität binnen kürzester Zeit angemessene Ersatzräume zur Verfügung, so dass die ca. 600 Abgüsse im Januar und Februar 1999 in das neue Depot am gegenwärtigen Standort transportiert werden konnten.

Der Komplex besitzt auch aus heutiger Perspektive für die Unterbringung sehr gute Voraussetzungen. Das Gebäude wurde im Jahr 1986 als VEB Datenverarbeitungszentrum errichtet. Für die damalige Computertechnik mussten die Decken eine hohe Traglast aufweisen. Für die bis zu über 400 kg schweren Abgüsse bietet dies ideale Bedingungen. Bereits 1995 äußerte der damalige Sammlungsdirektor Eberhard Paul (1932–2014) die Hoffnung, die »altbewährte, aber unterbrochene Tradition des Abgussmuseums als akademische Lehrform« wiederzubeleben. Denn während die Studierenden Räume und Objekte für ihr Lernen nutzen können, war die Öffentlichkeit bisher weitgehend ausgeschlossen. Dabei hält die Kombination aus Architektur und klassischer Skulptur spannungsreiche Kontraste bereit.

Mit der provisorischen Öffnung eines Teils der Räumlichkeiten rückt die Sammlung wieder in das kulturelle Leben von Leipzig hinein. Sie soll als der feste Bestandteil der Stadt verstanden werden, der sie seit ihrer Entstehung immer gewesen ist – nicht mehr als reines Abgussmuseum, sondern als sich stetig wandelnder Ort des Lernens, des Dialogs und kreativer Prozesse.
- Jörn Lang

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Transport der Statuengruppe ›Artemis-Iphigenie‹ an der Verladerampe des Depots Dittrichring/ Gottschedstraße. Februar 1999. Archiv Antikenmuseum.
Transport der Statuengruppe ›Artemis-Iphigenie‹ an der Verladerampe des Depots Dittrichring/ Gottschedstraße. Februar 1999. Archiv Antikenmuseum.

Dokumentation und Visualisierung antiker Plastik am Beispiel des Toro Farnese

Der ›Toro Farnese‹, auch als Farnesischer Stier bekannt, gilt mit einer Höhe von knapp 4 m und einer Grundfläche von mehr als 9 m² als größte Skulpturengruppe der Antike (Abb. 1). Gefunden wurde sie in den Thermen des Kaisers Caracalla in Rom, heute wird sie im Nationalmuseum Neapel aufbewahrt. Bereits seit 1895/96 befindet sich im Antikenmuseum Leipzig eine historische Abformung dieser Gruppe, die in mehreren Teilabgüssen gefertigt wurde. Sie bildete einst das Glanzstück der Abguss-Sammlung im Hauptgebäude der Universität. Aufgrund ungünstiger Lagerungsbedingungen erlitt der Abguss deutlich erkennbare Schäden. Im Rahmen des Projektes wurde er seit 2022 restauriert, aktuell wird an der Rekonstruktion der Skulpturengruppe gearbeitet.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Abb. 1 Der Farnesische Stier in Neapel, Archäologisches Nationalmuseum, nach einem alten Foto des Leipziger Gipsabgusses. Antikenmuseum Leipzig. Archiv.
Abb. 1 Der Farnesische Stier in Neapel, Archäologisches Nationalmuseum, nach einem alten Foto des Leipziger Gipsabgusses. Antikenmuseum Leipzig. Archiv.

Angesichts der Größe ist ein Wiederaufbau in den vorhandenen Räumen nicht möglich. Daher soll der Gipsabguss als virtuelles, räumliches Modell wiedererstehen. Dafür werden die Teilabgüsse einzeln mit einem Streifenlichtscanner aufgenommen und mit einer Software zu 3D-Modellen verrechnet. Diese 3D-Modelle werden dann in einem weiteren Schritt passend zueinander ausgerichtet und zusammengesetzt, sodass die Skulptur virtuell als Ganzes entsteht und dennoch in ihren Einzelteilen erkennbar bleibt.

Das Ziel besteht darin, anhand des ›Toro Farnese‹ digitale Dokumentationsverfahren an historischen Abgüssen zu testen und weiterzuentwickeln, um Abgüsse über ihre Aufbewahrungsorte hinaus weltweit und nachhaltig für Lehre und Forschung verfügbar zu machen.

Projektlaufzeit: 2022-2025
Projektteam: Joana Apelt, Jörn Lang, Katharina Meinecke, Paula Michalski

Der ›Telephosfries‹ gehört als Teil des großen Altars von Pergamon sicherlich zu einem der bekanntesten antiken Bauwerke. Die Reliefs werden heute im Pergamonmuseum Berlin aufbewahrt. Der Altar war ein monumentaler Bau der Residenzstadt in der kleinasiatischen Region Mysien. Er wurde zwischen 197 und 159 v. Chr. in einem Bezirk mit mehreren Heiligtümern errichtet und beherbergte ein für die Ausübung des Kultes maßgebliches Opferpodium. Der ›Telephosfries‹ war an den Hofwänden des Altars angebracht. Er stellt den Lebenslauf von Telephos, des Gründungsheroen Pergamons und Ahnherrn des Herrscherhauses, dar. Die bildlichen Szenen erstreckten sich über alle drei Seiten des an der gesamten Front off enen Hofes. Sie beginnen mit der Vorgeschichte der Geburt bis zur Heroisierung am Ende seines Lebens.

Die in Leipzig vorhandenen Abgüsse stammen vom nördlichen Fries, der die frühesten Stationen aus dem Leben des Telephos zeigt.

  • Platte 1 und 2: Beginnend am Königshof in der griechischen Stadt Tegea entfaltet sich die Geschichte. Der König Aleos erhält ein Orakel, das ihn vor dem Sohn seiner Tochter Auge warnt. Um dieses Schicksal zu umgehen, macht er sie zur Priesterin der Athena.
  • Platte 3 (nicht vorhanden), 4 und 5: Der Heros Herakles kommt nach Tegea und zeugt mit Auge einen Sohn. Erneut versucht Aleos dem Orakel zu entgehen. Dafür setzt er den Jungen im Wald aus und lässt ein Boot bauen, um Auge aufs Meer zu schicken.
  • Platte 6: Auge wird von Delphinen an die Küste Mysiens geführt und dort von König Theuthras aufgenommen.
  • Platte 7 (nicht vorhanden): Auge gründet in Mysien einen Athenakult.
  • Platte 8: Telephos selbst wird im Gebirge von einer Löwin gesäugt und schließlich von seinem Vater gefunden.
  • Platte 9 (nicht vorhanden) und 10: Die letzte Sequenz zeigt, wie Nymphen den jungen Telephos baden.

- Zoe Li Wnuck

Abb.: Umzeichnungen der Platten vom nördlichen Fries. In grau die nicht in Leipzig vorhandenen Platten.
M. Heilmeyer (Zeichnerin), Der Telephosfries. Bestandsordnung.
In: W.-D. Heilmeyer (Hrsg.), Der Pergamonaltar. Die neue Präsentation nach Restaurierung des Telephosfrieses (Tübingen 1997), Seite 91–193 (bearbeitet durch die Autorin).

Der Gipsabguss des Beutereliefs vom ›Titusbogen‹ in Rom (Abb. 1), der im Jahr 1915 in den Besitz der Universität Leipzig kam, wurde 2014 anlässlich einer Ausstellung mit dem Titel »Im Licht der Menora. Jüdisches Leben in der römischen Provinz« im Jüdischen Museum in Frankfurt umfangreichen Restaurierungsarbeiten unterzogen. Infolgedessen konnte er erstmals wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden und war seither im Jüdischen Museum Berlin sowie Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln, ausgestellt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Abb. 1 Abguss des Titusbogens. Präsentation in der Ausstellung »Welcome to Jerusalem« im Jüdischen Museum Berlin, 2017. Antikenmuseum Leipzig. Inv. 547.
Abb. 1 Abguss des Titusbogens. Präsentation in der Ausstellung »Welcome to Jerusalem« im Jüdischen Museum Berlin, 2017. Antikenmuseum Leipzig. Inv. 547.

Der Abguss zeigt in besonderem Maße den konservatorischen Wert dieses Mediums auf. Der Marmor des originalen Reliefs, das im Durchgang des Triumphbogens angebracht ist, ist durch Umwelteinflüsse und die Abgase der Großstadt massiver Belastung ausgesetzt und verwittert zunehmend. Der über 100 Jahre alte Abguss gibt somit einen Erhaltungszustand wieder, der am Original nicht mehr zu sehen ist.

Bogenmonumente haben lange Tradition in Rom, es handelt sich hierbei um monumentale Basen für bronzene Gespanne. Diese zeigen den römischen Herrscher in einem Wagen, der von Pferden oder Elefanten gezogen wird. Der ›Titusbogen‹ ist das älteste erhaltene Bauwerk seiner Art. Er wurde von Kaiser Domitian kurz nach seinem Amtsantritt 81 n. Chr. in Auftrag gegeben und erinnert an die Niederschlagung des Aufstands der Judäer in Jerusalem durch seinen Bruder und Vorgänger Titus im Jahre 71 n. Chr.

Dargestellt ist eine Szene aus einem Triumphzug (Abb. 2) durch die Stadt Rom, bei dem durch Lorbeerkränze als siegreich gekennzeichnete Römer die Beute aus dem Tempel von Jerusalem durch die Straßen tragen. Besonders ins Auge stechen hierbei die Menora, der siebenarmige Leuchter auf der linken Seite, sowie der Schaubrottisch, ein weiterer Gegenstand aus der rituellen Praxis des antiken Judentums. Von diesem Triumphzug berichtet auch der zeitgenössische römisch-jüdische Historiker Flavius-Josephus:

»Es kamen dann auch noch viele Schiffe, und ein Beutezeug ohne Ende; die weitaus schönsten Stücke darin waren im Tempel zu Jerusalem getroff en worden: so ein goldener, viele Talente schwerer Tisch und ein Leuchter, der ebenfalls aus Gold bestand«
(Ios. Bell. Iud. 7.5., 148)

- Moritz Rusche

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Abb. 2 Zeichnung des Reliefs um 1690. Die Zeichnung gibt den Erhaltungszustand im 17. Jahrhundert wieder. Zeichnung von Giovanni Pietro Bellori (1613–1696)
Abb. 2 Zeichnung des Reliefs um 1690. Die Zeichnung gibt den Erhaltungszustand im 17. Jahrhundert wieder. Zeichnung von Giovanni Pietro Bellori (1613–1696)

Apollo der Gott der Sonne, des Frühlings, des Lichts, der Sittlichkeit, der Weissagung, der Gott der Bogenschützen, der Künste und insbesondere der Musik steht hier in einem schwebenden Schritt vor uns.

Der Gott ist nackt, nur die Schultern sind von einem Gewand, der so genannten Chlamys, bedeckt. Der linke Arm ist erhoben, in seiner Hand ist ein rechteckiges Klötzchen erhalten, bei dem es sich vermutlich um den Rest eines Bogens handelt. Bei der Auffindung der Statue fehlten sowohl der rechte Unterarm als auch die linke Hand (Abb. 1). Sie wurden nach träglich ergänzt.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Abb. 1 Original des Apollo. V. Brinkmann (Hrsg.), Zurück zur Klassik. Ein neuer Blick auf das alte Griechenland. Ausstellungskatalog Liebieghaus Skulpturensammlung, (München/Frankfurt am Main 2013) 63 Abb. 62.
Abb. 1 Original des Apollo. V. Brinkmann (Hrsg.), Zurück zur Klassik. Ein neuer Blick auf das alte Griechenland. Ausstellungskatalog Liebieghaus Skulpturensammlung, (München/Frankfurt am Main 2013) 63 Abb. 62.

Wie viele römische Plastiken basiert auch diese auf einem griechischen Original, das im 4. Jahrhundert v. Chr. entstand. Seinen Namen er hielt die Statue nach ihrem Aufstellungsort, dem päpstlichen Belvedere. Dort wurde sie seit spätestens 1491 im Innenhof präsentiert.

Johann Joachim Winckelmann (1717–1768), dem Begründer der griechischen Kunst geschichte, galt er noch als »das höchste Ideal der Kunst unter allen Werken des Alterthums«. Er sah in seiner ›Geschichte des Kunst des Alterthums‹ von 1764 in der Statue eine originale Skulptur aus griechischer Zeit. Bereits am Ende des 18. Jahrhunderts konnte dagegen erwiesen werden, dass sie aus Carrara-Marmor gefertigt wurde. Dieses Material wurde erst seit römischer Zeit verwendet. Die Skulptur ist damit das Werk eines römischen Bildhauers, der eine griechische Bronzestatue kopierte und aus Gründen der Stabilität den schweren Baumstamm hinzufügte.

Der Gipsabguss in Leipzig hebt sich durch die schneeweiße Erscheinung seiner Oberfläche von anderen Abgüssen ab. Dies ist darauf zurückzuführen, dass er einen älteren Abguss ersetzt, der bei einem Luftangriff im Dezember 1943 zerstört wurde.
- Pia C. Pfaf

Our collection of Plaster casts

We are happy to be able to open our plaster cast collection for the public, starting with the 13. March 2024!

Opening hour:
Wednesday from 3:00 pm to 6:00 pm
Closed on public holidays.

You will find us at Dittrichring 13, on the first floor.
Entry is free of charge.

We look forward to welcoming you!

The museum of antiquities in Leipzig and its plaster casts of ancient sculptures

Until the beginning of the 20th century, public museums with plaster casts were an integral part of the appearance of larger cities. They can be regarded as central institutions in art and cultural life at that time. The casts on display are three-dimensional replicas of mostly antique, Greek and Roman sculptures on a scale of 1:1. The idea of establishing collections of such objects dates back to the second half of the 17th century. At this time, plaster casts were acquired for the drawing rooms of newly founded art academies. Here, students trained their skills in the reproduction of human bodies (Fig. 1).

In Leipzig, as in many places, the collection of casts is closely linked to the establishment of archaeological science at the university. Students were to use them to compare objects that were scattered throughout museums all over the world. This broadened the knowledge of ancient sculptures and supplemented the study of original artifacts. Today, in addition to the ancient originals in the Alte Nikolaischule, the collection comprises around 800 plaster casts, making it one of the historically most important institutions of its kind in Germany.

The Museum of Antiquities, founded as a teaching and study collection, was given a temporary location on Augustusplatz as early as 1840 (Fig. 2). The first museum for the works of ancient minor art and casts was established in 1843 in the nearby ›Fridericianum‹ (Fig. 3) on around 240 square meters. Since its creation, the cast collection has been a place for the study of archaeology, but also open to the public.
- Jörn Lang

After the middle of the 19th century, the collection of casts was developed into a central location for the study of archaeology. Johannes Overbeck (1826–1895) in particular, as director of the museum from January 1853 until his retirement in 1895, acquired almost exclusively plaster casts of ancient statues. The constant enlargement of the number of casts can be seen in the 'Guide to the Archaeological Museum', which Overbeck published in 1859 and in a new version in 1881 (Fig. 1).

Franz Studniczka (1860–1929) continued this successful work as his successor. The cast collection, which in its heyday had around 3,000 inventory numbers, was a visible feature of the university's prestigious appearance until the Second World War. After the first location in the 'Fridericianum' no longer offered sufficient space despite extensions, the collection initially moved to the university's main building on Augustusplatz in 1881.

Only a few years later, the museum moved into new quarters at this location. Now the casts were displayed on over 1300 square meters in the ›Johanneum‹, the south wing of the main university building restructured by Arwed Roßbach (Fig. 2. 3). Here, too, it was not only available to researchers and students for teaching and study purposes, but also to the interested Leipzig public. A highlight was the impressive cast of a monumental sculpture group, the so-called 'Toro Farnese' in Naples (Fig. 4). It had been acquired by Overbeck, but he himself was not to live to see it installed in 1896.
- Jörn Lang

Destruction and Storage

The flourishing at the beginning of the 20th century was brought to an abrupt end by the Second World War at the latest. All the originals that had not been removed from storage, the archive and most of the cast collection fell victim to a bomb hit on the main university building in December 1943 (Fig. 1). This event clearly demonstrates how the history of the collection reflects the history of the city of Leipzig itself.

After the end of the war, the Museum of Antiquities was re-established in a modest, preliminary form in the ›Hellenistic Hall‹ as part of the reorganization of the archaeological facilities in 1955 (Fig. 2). Prior to this, over 600 plaster casts were recovered from the burnt-out exhibition rooms: They form the preserved historical core of today's collection.

Socialist university policy and the demolition of the university complex on Augustusplatz on July 20, 1968 led to the temporary end of the institution, most of the remaining casts were temporarily stored in a former coal bunker (Fig. 3). For objects at other locations, the many years of storage in confined spaces led to further losses and, in some cases, irreparable damage due to moisture. Some statues therefore had to be relocated a couple of times (Fig. 4). While at least some of the original works could be shown in special exhibitions, the casts remained hidden from the public.
- Jörn Lang

Current preservation and perspectives

Even after the political changes of 1989/90 and the restructuring of the university, the collection initially remained in the provisional storage rooms. However, the rapid deterioration of the building and, above all, the danger of water ingress posed a serious threat to the existence of the cast collection. In this emergency situation, the university quickly provided suitable replacement rooms so that the approximately 600 casts could be transported to the new depot at the current location in January and February 1999 (Fig. 1).

From today's perspective, the complex is also very well suited for storage. The building was erected in 1986 as a VEB data processing center. The ceilings had to have a high load-bearing capacity for the computer technology of the time. This provided ideal conditions for the castings, which weighed up to over 400 kg.

As early as 1995, the then collection director Eberhard Paul (1932–2014) expressed the hope of reviving the »tried and tested but interrupted tradition of the cast museum as an academic form of teaching«. While students can use rooms and objects for their studies (Fig. 2), the public was largely excluded until now. The combination of architecture and classical sculpture provides exciting contrasts (Fig. 3).

With the opening of part of the deposits, the collection has been reintegrated into Leipzig's cultural life. It should be seen as the integral part of the city that it has always been since its creation – no longer as a mere museum of castings, but as a constantly changing place of learning, dialog and creative processes.
- Jörn Lang

Documentation and visualization of antique sculptures using the Example of the "Toro Farnese"

The 'Toro Farnese', also known as the Farnese Bull, is considered the largest sculptural group of antiquity with a height of almost 4 meters and a base area of more than 9 square meters (Fig. 1). It was found in the Baths of Emperor Caracalla in Rome and is now kept in the National Museum in Naples. A historical cast of this group, which was made in several partial casts, has been in the Antikenmuseum Leipzig since 1895/96. It was once the highlight of the cast collection in the university's main building. Due to unfavorable storage conditions, the cast suffered clearly visible damage. It has been restored since 2022 as part of the project and work is currently underway to reconstruct the sculpture group.

In view of its size, it is not possible to rebuild it in the existing rooms. The plaster cast is therefore to be recreated as a virtual, spatial model. For this purpose, the partial casts are recorded individually with a stripe light scanner and calculated into 3D models using software (Fig. 2-4). These 3D models are then aligned and assembled in a further step so that the sculpture is created virtually as a whole while still remaining recognizable in its individual parts.

The project aims to use the 'Toro Farnese' to test and further develop digital documentation methods on historical casts in order to make casts available for teaching and research worldwide and sustainably beyond their places of preservation.

Project Group: Joana Apelt, Jörn Lang, Katharina Meinecke, Paula Michalski

As part of the great altar of Pergamon, the 'Telephos Frieze' is certainly one of the most famous ancient monuments. All parts of the frieze are now preserved in the Pergamon Museum in Berlin. The altar was a monumental building in the residential city in the Asia Minor region of Mysia. It was constructed between 197 and 159 BC in a district with several sanctuaries and housed a sacrificial podium that was essential for the practice of the cult. The 'Telephos frieze' was placed on the courtyard walls of the altar (Fig. 1). It depicts the life of Telephos, the founding hero of Pergamon and ancestor of the dynasty. The pictorial scenes extend across all three sides of the courtyard, which runs along the entire front.

The casts in Leipzig are from the northern frieze, which shows the earliest stages in the life of Telephos (fig. 2).

  • Plates 1 and 2: The story unfolds from the royal court in the Greek city of Tegea. King Aleos receives an oracle warning him about his daughter's son Auge. To avoid this fate, he makes her a priestess of the goddess Athena.
  • Plates 3 (not in the Leipzig collection), 4 and 5: Heracles comes to Tegea and conceives a son with Auge. Once again, Aleos tries to escape the oracle. He abandons the boy in the forest and has a boat built to send Auge out to sea.
  • Plate 6: Auge is led by dolphins to the coast of Mysia, where he is taken in by King Theuthras.
  • Plate 7 (not in the Leipzig collection): Auge founds a cult of Athena in Mysia.
  • Plate 8: Telephos himself is suckled by a lioness in the mountains and finally found by his father.
  • Plate 9 (not in the Leipzig collection) and 10: The last sequence shows the Nymphs bathing young Telephos.

- Zoe Li Wnuck

Part of the "Arch of Titus" in Rome

The plaster cast of the relief with spoils from the temple of Jerusalem, part of the ›Arch of Titus‹ in Rome (Fig. 1) came into the possession of the University of Leipzig in 1915. It  underwent extensive restoration work in 2014 on the occasion of an exhibition entitled »In the Light of the Menorah. Jewish Life in the Roman Provinces« at the Jewish Museum in Frankfurt in 2014. As a result, it was presented to the public again for the first time and has since been exhibited at the Jewish Museum Berlin (Fig. 1) and Kolumba, art museum of the Archdiocese of Cologne.

This cast demonstrates the conservation value of this medium in particular. The marble of the original relief, which is mounted in the passageway of the triumphal arch, is exposed to massive environmental influences and the exhaust fumes of the city and is becoming increasingly weathered (Fig. 2). The cast, which is over 100 years old, thus reflects a state of preservation that can no longer be seen on the original.

Triumphal Arch monuments have a long tradition in Rome; these are monumental bases for bronze statues (Fig. 3). These show the Roman ruler in a chariot pulled by horses or elephants. The ›Arch of Titus‹ is the oldest surviving structure of its kind. It was built by Emperor Domitian shortly after he took office in 81 AD and commemorates the suppression of the Judean revolt in Jerusalem by his brother and predecessor Titus in 71 AD.

It depicts a scene from a triumphal procession (Fig. 4) through the city of Rome, in which Romans carrying the spoils from the Temple of Jerusalem through the streets are marked as victorious by laurel wreaths. The menorah, the seven-branched candlestick on the left, and the table of showbread, another object from the ritual practice of ancient Judaism, are particularly striking. The contemporary Roman-Jewish historian Flavius Josephus also reports on this triumphal procession:

»Moreover, there followed those pageants a great number of ships; and for the other spoils, they were carried in great plenty. But for those that were taken in the temple of Jerusalem, they made the greatest figure of them all; that is, the golden table, of the weight of many talents; the candlestick also, that was made of gold.«
(translation William Whiston u.a. 1895)

- Moritz Rusche

Apollo, the god of the sun, spring, light, morality, prophecy, the god of archers, the arts and especially music, stands before us here in a floating stride.

The god is naked, only his shoulders are covered by a robe, the so-called chlamys. His left arm is raised and a rectangular block is preserved in his hand, which is probably the remains of a bow. When the statue was found, both the right forearm and the left hand were missing (Fig. 1). They were added later.

Like many Roman sculptures, this one is based on a Greek original from the 4th century BC. The statue was named after its location, the papal Belvedere (beautiful view, fig. 3). It had been displayed there in the inner courtyard since 1491 at the latest.

Johann Joachim Winckelmann (1717–1768), the founder of Greek art history, still regarded it as »the highest ideal of art among all works of antiquity«. In his ›Geschichte des Kunst des Alterthums‹ of 1764, he saw the statue as an original sculpture from Greek times. By the end of the 18th century, however, it could be proven that it was made of Carrara marble. This material had only been used since Roman times. The sculpture is therefore the work of a Roman sculptor who copied a Greek bronze statue and added the heavy tree trunk for reasons of stability. The plaster cast in Leipzig stands out from other casts due to the snow-white appearance of its surface. This is due to the fact that it replaces an older cast that was destroyed in an air raid in December 1943.
- Pia C. Pfaff

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zwei Studierende in der Abguss-Sammlung, umgeben von verschiedenen Kopien von antiken Originalen, Foto: Marion Wenzel
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Verschieden Gipsabgüsse von antiken Skulpturen im Depot des Antikenmuseum, Foto: Marion Wenzel Various plaster copies of antique scultptures, picture: Marion Wenzel
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Blick in eine der Räumlichkeiten des Depots, Foto: Marion Wenzel View into one of the depot's rooms, picture: Marion Wenzel
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Zwei Kopien des sog. "Ganswürger", Foto: Marion Wenzel Two copies of a boy struggling/playing with a goose, picture: Marion Wenzel
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Die Sirene von Memphis, Foto: Marion Wenzel The Memphis Siren, picture: Marion Wenzel
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Die Artemis von Gabii, Foto: Marion Wenzel The Artemis of Gabii, picture: Marion Wenzel