Bereits neun Jahre vor der Gründung des Seminars für Orientalische Sprachen in Berlin (1887), welches als der erste Vorläufer der Japanologie in Deutschland gilt, war in Leipzig der erste deutsche Lehrstuhl für ostasiatische Sprachen gegründet worden. Unter den Vorlesungen im Wintersemester 1878/79 war auch eine Lehrveranstaltung mit der Bezeichung „Anfangsgründe der japanischen Grammatik“. Professor Georg von der Gabelentz, der den Lehrstuhl inne hatte, unterrichtete sonst hauptsächlich die chinesische Sprache.

Blauer Himmel mit vereinzelten Wolken über dem Wilhelm-Leuschner-Platz.
Blick vom Institut aus über den Wilhelm-Leuschner-Platz. Leipzig, 2020. Foto: Christian Bär

Geschichte der Japanologie Leipzig

Im „Sprachführer durch die deutschsprachigen Japanologien“ von 1990 datiert Ulrich Goch die erste Vorlesung über die japanische Sprache und Literatur an der Universität Leipzig auf das Wintersemester 1895/96. Tatsächlich aber unterrichtete Professor August Conrady zu diesem Zeitpunkt bereits seit 4 Jahren eine Vorlesung zur japanischen Grammatik. [...] (Auszug aus dem Beitrag von Claudia Kluge zur Eröffnungsveranstaltung der Leipziger Japanologie 1996; zum vollständigen Text siehe die PDF-Datei im Folgenden.)

 

Ein Beitrag von Claudia Kluge ZUR Eröffnungsveranstaltung der Leipziger Japanologie im November 1996
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Historische Eckdaten der Japanologie Leipzig

  • 1878/79: Erste dokumentierte Lehrveranstaltung über die japanische Sprache und Literatur an der Universität Leipzig: „Anfangsgründe der japanischen Grammatik“; Lehrstuhl für Ostasiatische Sprachen: Professor Georg von der Gabelentz
  • 1897: Berufung von August Conrady (Lehrstuhl für Ostasiatische Sprachen) als Nachfolger von Professor Georg von der Gabelentz; Fortsetzung japanbezogener Lehrveranstaltungen bis 1901 im kleinen Rahmen
  • 1914: Gründung des Seminars für Ostasiatische Sprachen im Rahmen des Königlichen Instituts für Kultur- und Universalgeschichte (gegründet 1909) 
  • 1924/25: Wiederaufnahme der Lehrveranstaltungen zur japanischen Sprachenach 24-jähriger Pause durch André Wedemeyer; bis zum Sommersemester des Jahres 1932 hielt Wedemeyer fortan zwei bis vier Veranstaltungen zur japanischen Schriftsprache und gelegentlich auch zur japanischen Geschichte
  • 1931: Bemühungen um die Einrichtung einer eigenen Professur für japanische Sprache; Berufung einer Kommission zur Errichtung eines Japan-Instituts an der Universität Leipzig. Es war geplant, ein von der Sinologie unabhängiges japanologisches Institut einzurichten und dieses in eine historisch-philologische Abteilung und eine Abteilung für das moderne Japan zu gliedern.
  • 1932: Erstmalige Besetzung eines Lehrstuhls für Sprache und Kultur des modernen Japan durch Prof. Johannes Überschaar (Einführung in die japanische Umgangssprache und in die japanische Schrift, leichte Textlektüre, Landes- und Volkskunde und andere).
  • 1933: Eröffnung des Japan-Instituts; ab dem Wintersemster 1934/35 übernahm ein japanischer Lektor die Konversations- und Schreibübung, ein Jahr später auch den eigentlichen Unterricht in der japanischen Umgangssprache. Diese japanischen Hilfskräfte wechselten alle zwei Jahre.
  • 1937: Professor Überschaar mußte wegen eines angeblichen Vergehens nach §175 des Strafgesetzbuches am 1. April 1937 die Universität verlassen und kehrte trotz späterer Rehabilitation nicht an die Universität zurück. Bis zum Kriegsende war es dann vor allem Professor Wedemeyer, der die japanologische Ausbildung aufrecht hielt. Denn der erst 1942 als Nachfolger Überschaars berufene Professor Horst Hammitzsch konnte seine Lehrveranstaltungen nur bis zum Sommer 1942 halten. Dann wurde er als Dolmetscher zum Wehrdienst eingezogen und kehrte nach Kriegsende nicht nach Leipzig zurück.
  • 1943: Als in der Nacht des 4. Dezembers 1943 Leipzig bombardiert wurde, wurde das Japan-Institut mitsamt seinem Bücherbestand zerstört. Auch das Buchmaterial des Ostasiatischen Seminars ging größtenteils verloren.
  • 1945: Nach dem Kriegsende wurde Professor Wedemeyer vom Rektor der Universität Leipzig gebeten, die Vertretung des Direktors des Japan-Instituts zu übernehmen. (Er setzte auch nach seiner Emeritierung im April 1947 die japanologischen Lehrveranstaltungen in seiner Privatwohnung fort.).
  • 1951: Umwandlung des Ostasiatischen Seminars in Ostasiatisches Institut (7. Mai 1951). Die japanische Abteilung leitete weiterhin Wedemeyer, der ab dem Wintersemester 1954/55 von Dr. Gerd Mehnert und Assistentin Margarete Wiegand unterstützt wurde. Bis ins Jahr 1958 wurde neben historisch-philologischen Studien auch nachweislich modernes Japanisch gelehrt und studiert. Der Tod von Wedemeyer am 13. Februar 1958 und kurz darauf der von Eduard Erkes bedeuteten das zeitweilige Aus für das Ostasiatische Institut in Leipzig. Erst in den 1970er Jahren wurden von Manfred Reichardt wieder japanische Sprachkurse abgehalten.
  • 1984: Berufung von Prof. Ralf Moritz auf den Lehrstuhl für Sinologie; ab 1990 war es wieder möglich, eine Hauptfachausbildung in der Sinologie aufzunehmen. Ebenfalls ab dem Wintersemester 1990/91 wurden wieder regelmäßig japanische Sprachkurse durch die japanische Lektorin Sakaino angeboten. Seit dem Sommersemester 1994 befindet sich das wiedereröffnete Ostasiatische Institut der Universität Leipzig in seinem heutigen Gebäude in der Schillerstraße 6.
  • April 1996: Neubesetzung des Lehrstuhls für Japanologie durch Prof. Dr. Steffi Richter; nach 50-jähriger Pause ist seit dem Wintersemester 1996/97 wieder die Möglichkeit eines Japanologiestudiums an der Universität Leipzig gegeben.
  • November 1996: Institutseröffnung und Antrittsvorlesung von Frau Prof. Richter (siehe Seitenleiste).

 

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