Veranstaltung am

Veranstaltungsort: GWZ H4 2.16

Mit obenstehendem Zitat rechtfertigte der Lichtenburger Antoniter Severin Schulz 1524 gegenüber seinem Präzeptor den von ihm beabsichtigten Klosteraustritt, dem eine baldige Heirat folgen sollte. In der Rezeption der Wittenberger Theologie erwogen bereits in der ersten Hälfte der 1520er Jahre zahlreiche Ordensmänner und -frauen aus dem Kurfürstentum Sachsen, das monastische Leben aufzugeben, während andere Mönche und Nonnen erst zeitverzögert und unter dem Druck der weltlichen Obrigkeit aus dem Kloster traten. Das Dissertationsvorhaben nimmt vormalige Religiosen als handelnde Akteur*innen in den Blick und fragt nach den Handlungsspielräumen, die sich vor dem Hintergrund der ernestinischen Kirchenpolitik sowie unter dem Eindruck gesellschaftlicher Ordnungszusammenhänge nach dem Klosteraustritt ergaben. Ein besonderer Fokus des Vortrags liegt auf der Ehe, die für vormalige Ordensmänner und -frauen gleichermaßen zur Norm erhoben wurde und mit geschlechterspezifischen Erwartungshaltungen verbunden war, in Anbetracht der unsteten Lebensläufe dieser Personengruppe jedoch besondere Herausforderungen barg.