Datum/Uhrzeit: bis Uhr
Art: Ringvorlesung, Präsenz
Ort: Hörsaal 11, Campus Augustusplatz
Referent:in: Prof. Dr. Stefan Keym, Musikwissenschaftler, Universität Leipzig
Veranstaltungsreihe: Ringvorlesung „Grenzen, Umbrüche, Transformationen. Künste und Kulturen vor und nach 1989/90“

Wir laden herzlich ein, mit unseren Gästen einen Rückblick auf die Verflechtungen von Kulturen, Künsten und Politiken in der DDR und Positionsbestimmungen künstlerischer Praxis in der Gegenwart, 35 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung zu werfen.

In der DDR erhielt der klassische Konzert- und Opernbetrieb eine sehr großzügige staatliche Förderung. Prominente Musikschaffende hatten weitgehende Reisemöglichkeiten und trugen so zum internationalen kulturellen Prestige des Landes bei. Auch an ihren Institutionen verfügten sie zum Teil über große Gestaltungsspielräume. Inwieweit diese Konstellation systemstabilisierend oder auch emanzipatorisch wirkte, ist in der Forschung umstritten.
Diese Frage wird ausgehend vom Leipziger Gewandhaus und seinem langjährigen Kapellmeister Kurt Masur erörtert, der den Neubau des Konzerthauses durchsetzte und im Wendeherbst 1989 auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde. Seinem Wirken wird der Komponist Udo Zimmermann gegenübergestellt, der die Umbruchsituation der 1990er Jahre nutzte, um als Intendant die Oper Leipzig zu einem Zentrum des modernen Musiktheaters zu profilieren.
 
Prof. Dr. Stefan Keym ist Professor für historische Musikwissenschaft und Direktor des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Leipzig. Bis 2019 war er Professor an der Université Toulouse Jean Jaurès. Er studierte auch Geschichte und Germanistik, promovierte in Halle-Wittenberg über Olivier Messiaens Oper „Saint François d’Assise“ und habilitierte sich in Leipzig über den deutsch-polnischen Symphonie-Kulturtransfer um 1900.  Er forscht zur neueren europäischen Musikgeschichte mit den Regio-Schwerpunkten Frankreich, Osteuropa und Leipzig (mehrere DFG-Projekte zu Institutionen, Akteuren und Repertoires;) sowie den Themengebieten: kulturelle Transfers, Identitäten und politische Kontexte; Formdramaturgien der großen Instrumentalgattungen des 18.-20. Jahrhunderts; modernes Musiktheater.