Datum/Uhrzeit: bis Uhr
Art: Ringvorlesung, Präsenz
Ort: Hörsaal 11, Campus Augustusplatz
Referent:in: Prof. Dr. Dr. Tanja Zimmermann, Kunsthistorikerin, Universität Leipzig
Veranstaltungsreihe: Ringvorlesung „Grenzen, Umbrüche, Transformationen. Künste und Kulturen vor und nach 1989/90“

Wir laden herzlich ein, mit unseren Gästen einen Rückblick auf die Verflechtungen von Kulturen, Künsten und Politiken in der DDR und Positionsbestimmungen künstlerischer Praxis in der Gegenwart, 35 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung zu werfen.

Die Illustrierten in der DDR zeigten häufig modisch gekleidete Frauen, die den westlichen „Ikonen“ der Populärkultur – etwa Marilyn Monroe oder Twiggy – erstaunlich ähnlich sahen. Anstatt den als verpönt geltenden nordamerikanisch-westeuropäischen Lifestyle und die kapitalistische Konsumkultur direkt zu bekämpfen, wurden deren ästhetische Codes durch Re-Inszenierung und neue Bilderzählung in ein sozialistisches Umfeld überführt. Während in den 1950er-Jahren parodistische Strategien dominierten, setzte man seit den späten 1960er Jahren zunehmend auf Formen der Emulation, um Elemente westlicher Populärkultur in das sozialistische Ethos zu integrieren. Der Vortrag untersucht die komplexen ästhetisch-ethischen Strategien kultureller Aneignung, die binäre Gegenüberstellungen von Ost und West dekonstruieren.
 

Kurzbiografie:
Prof. Dr. Dr. Tanja Zimmermann, Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin (Slawistin), ist Professorin für Kunstgeschichte mit einem Schwerpunkt auf der Kunst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas sowie deren interkulturellen Beziehungen an der Universität Leipzig. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte liegt auf sozialistischen und postsozialistischen Kulturen, mit denen sie sich in Monografien („Abstraktion und Realismus“, 2007; „Der Balkan zwischen Ost und West“, 2014) sowie in Sammelbänden („Brüderlichkeit und Bruderzwist“, 2014; „Ethos und Pathos“, 2017; „Geschichte und Mythos in Comics und Graphic Novels“, 2019) auseinandersetzt. Derzeit schließt sie das Projekt „On the Re-evaluation of Naive Art“ ab, in dem u.a. staatlich geförderte autodidaktische Kunst in sozialistischen Ländern untersucht wird.