"Environ-Mental Health: Erfahrung, Ethik und Poiesis ökologischer Trauer inmitten verwundeter Umwelten in Indien" ist ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Claudia Lang.

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: A dilapidated house on the coast is washed by seawater. The climate crisis is already destroying houses and thus the homes of people on the coast of Kerala (India). Black-and-white photography: K. R. Sunil.
The climate crisis is already destroying homes and, with them, the memories and intergenerational knowledge of people living on the coast of Kerala, India. Photo: K. R. Sunil.

Environ-Mental Health: Erfahrung, Ethik und Poiesis ökologischer Trauer inmitten verwundeter Umwelt Indien (ENVIRON-MENTAL)

Dieses Projekt untersucht ökologische Trauer in Indien und darüber hinaus. Es geht von einem erweiterten Konzept von psychischen Erkrankungen über die individuelle Pathologien hinaus und verortet Leiden an der Schnittstelle zwischen ökologischem, individuellem und kollektivem Trauma. Das Projekt betrachtet das Anthropozän grundsätzlich als eine Zeit der Trauer; es untersucht Erfahrungen, Ethik und Politik von ökologischen Trauer in Kontext von beschädigten und klimaveränderten Umwelten und erforscht das generative Potenzial der Trauer. Ökologische Trauer wird als affektive Reaktion auf erlebte oder erwartete Umweltschäden und -verluste verstanden. Aus der ökologischen Trauer hervorgehende Reparativmaßnahmen werden als Teil der ökologischen Wiederherstellung verstanden. Sie kann als etwas angesehen werden, was „Care“ oder „Repair“ bedarf, aber auch selbst eine Form von „Repair“ darstellt. Ziel des Projekts ist es, (a) zu verstehen, wie ökologische Trauer im Kontext von Umweltschäden, Verlusten und Klimawandel in Indien und darüber hinaus erlebt, artikuliert und mobilisiert wird, (b) zu beschreiben, wie ökologische Trauer selbst generativ wird, und (c) das Konzept von „environ-mental health“ zu testen. 

Laufzeit: 01.01.2026 - 31.12.2026

Finanzierung: DFG

Kontakt: Claudia Lang (claudia.lang@uni-leipzig.de)

Principal Investigator

PD Dr. Claudia Lang

PD Dr. Claudia Lang

Wiss. Mitarbeiterin

Sozial- und Kulturanthropologie
Institutsgebäude
Schillerstraße 6, Raum 421
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97 - 37227
Telefax: +49 341 97 - 37229

Erfahrung, Ethik und Poiesis von ökologischer Trauer in Keralas verwundeter Küste

Chellanam und andere Küstengebiete im Ernakulam Distrikt gehören zu den Regionen in Kerala, die am stärksten von Küstenerosion und Gezeitenüberschwemmungen betroffen sind. In meinem Projekt untersuche ich, wie sich Veränderungen an der Küste auf physiologische und psychologische Zustände auswirken. Ich analysiere Erfahrungen von ökologischen Wunden und Trauer und fragt nach dem generativen Potenzial von ökologischer Trauer. Das Projekt verortet ökologische Trauer in Kerala in vier miteinander verbundenen Bereichen: dem Alltag, der Klinik, dem Umweltaktivismus und der Kunst. Im Alltag findet sich die Erfahrung von ökologischen Verlusten und Trauer. In der Klinik werden Wunden sichtbar und behandelt. Aus der Wunde und Trauer kann aber auch Umweltaktivismus enstehen, der Aktivist*innen in kollektive ökologische reparative Praktiken  einbindet. Künstler*innen antizipieren und erfassen neue affektive Register wie Trauer, wodurch Kunst auch reparativ und transformativ wirken kann. Das Projekt leistet einen Beitrag zur medizinischen, psychologischen und Umweltanthropologie, indem sie Umweltverletzungen und ökologische Trauer theoretisiert und Trauer als generativ für reparative Prozesse aufzeigt.

Mitarbeitende Environ-Mental

zur Vergrößerungsansicht des Bildes: unsere Mitarbeiterin Charrlotte Adelina lächelt in die Kamera
zur Vergrößerungsansicht des Bildes: Ziegenherde inmitten eines Palmenwaldes in Tamil Nadu, der Himmel ist wolkenverhangen mit ein paar Vögeln

Über Charrlotte Adelina:

Charrlotte Adelina ist Postdoktorandin im Rahmen des DFG-Projekts „Environ-mental Health“ am Institut für Anthropologie. Vor kurzem hat sie ihre Doktorarbeit in Humangeographie an der Freien Universität Berlin abgeschlossen. In ihrer Doktorarbeit untersuchte sie Aufforstungsprojekte in Coimbatore (Indien) und die Art und Weise, wie diese die Beziehungen zwischen Menschen, Bäumen und anderen Lebewesen in einem Raum neu ordnen, der durch unternehmerische Urbanisierung und mehr als menschliche Akteure geprägt ist. Mit ihrer Arbeit möchte sie Geschichten über menschliche und mehr als menschliche Bestrebungen in ungleichen Landschaften und deren umstrittene Standortpolitik zusammenführen. Charrlotte war auch Teil des von der Berlin University Alliance finanzierten Projekts „Human Health & Multispecies Cohabitation on an Urban Planet”

Über das Projekt:

Charlottes Arbeit im Rahmen des Projekts verortet ökologische Not im allmählichen Verlust der Verbindung zur Erde sowie der Erfahrungen des Zusammenlebens und der Beziehung zu nicht-menschlichen Lebewesen in Tamil Nadu, Indien. Einerseits führen Entwicklungsbestrebungen zu einer zunehmenden Trennung zwischen Menschen und nicht-menschlichen Lebewesen, was sich auf das Wohlergehen über Artengrenzen hinweg auswirkt. Andererseits sind mehr-als-menschliche Beziehungen im indischen Kontext durch kastenbasierte Organisationsformen von Raum, Arbeit und Ökosystemen strukturiert. Daher müssen Umweltverlust und Trauer verstanden und politisch vorangetrieben werden, um die unterschiedlichen Erfahrungen der von Kastenunterdrückung Betroffenen zu beheben. Das Projekt stützt sich auf Fallstudien zu kastengebundenen Ökosystemen und untersucht Schaden, Affekt und Poesis an der Schnittstelle von Umweltverlust und sich wandelnden mehr-als-menschliche Beziehungen in Indien.