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Das Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften nimmt Abschied von seiner langjährigen Kollegin, der Indologin Dr. sc. phil. Margot Gatzlaff-Hälsig.

Vor einigen Wochen erreichte uns die traurige Nachricht vom Tode unserer langjährigen Kollegin, der Indologin Dr. sc. phil. Margot Gatzlaff, geb. Hälsig. Sie war der Universität Leipzig seit 1961 verbunden und lehrte bis zu ihrer Pensionierung 1999 an dem 1993 wiedergegründeten Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften. Sie hinterlässt ein umfangreiches Werk, mit den Schwerpunkten Grammatik und Lexik des Hindi (der Amtssprache des heutigen Indien) und literarische Übersetzungen indischer Märchen und zeitgenössischer Hindī-Autoren ins Deutsche. Das gemeinsam mit Helmut Nespital erarbeitete Handwörterbuch Hindī-Deutsch ist bis heute ein Standardwerk.

                Margot Gatzlaffs Lebensweg steht für die Möglichkeiten, die sich einem Arbeiterkind in den frühen Jahren der DDR boten: Sie gehörte zu den ersten, die nach kurzem Germanistik-Studium in Rostock zum Studium in die damalige UdSSR delegiert wurden. Dort absolvierte sie 1954- 57 an der Leningrader Universität und  1957- 60 an der Moskauer Lomonossow-Universität ein Diplomstudium des Hindī, unter anderem  bei dem renommierten Linguisten A. Barannikow. Anschließend ging sie als Assistentin an die Universität Leipzig. Durch ein Stipendium der indischen Regierung konnte  sie dann zwischen 1962-64 in Indien Material für ihr Spezialgebiet, die Hindī- Grammatik, sammeln. Sie promovierte 1967 in Leipzig mit dem Thema „ Wesen und Funktion der mit huā zusammengesetzten Partizipien im modernen literarischen Hindī“. 1978 folgte dort die Habilitation zum Dr. sc. phil. zum Thema "Tendenzen und Probleme der funktionalen Entwicklung des Hindī im unabhängigen Indien“, in die sie die Erfahrungen ihrer zahlreichen Indienaufenthalte einbringen konnte.  Als durch die dritte Hochschulreform 1968 der Lehrbetrieb für die Asienwissenschaften in Berlin konzentriert worden war,  blieb Dr. Gatzlaff  in Leipzig und konnte ihre Unterrichtstätigkeit bei der sprachlichen Ausbildung von Mitarbeitern für die Handelsvertretungen und den diplomatischen Dienst in Indien fortsetzen.

                Dr. Gatzlaff engagierte sich stets für eine Intensivierung der kulturellen Beziehungen zu Indien, zunächst in der Liga für Völkerfreundschaft der DDR, später in der Deutsch-Indischen Gesellschaft, in die sich die Liga für Völkerfreundschaft nach der Wende eingliederte und bis in die letzten Jahre hinein durch Vorträge für ein breiteres Publikum.

                Für ihr umfangreiches Werk an Übersetzungen von Gegenwartsautoren der Hindī-Literatur für deutsche Verlage wurde sie mit dem Gisela-Bonn-Award und dem Rabindranath-Tagore-Preis ausgezeichnet.

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