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Veranstaltungsort: Schillerstraße 6, M-204

Die Sächsische Akademie der Wissenschaften lädt Sie herzlich zu einem Gastvortrag von Dr. Di Luo und Dr. Gerald Kozicz am 30. Januar 2023 um 17:00 Uhr ein.

Ein Yuan-zeitlicher Seidengobelin (kesi) aus dem Metropolitan Museum of Art zeigt den vierstufigen Meru mit einem achtblättgrigen Lotossitz auf der Spitze. Der wahrscheinlich vom mongolischen Königshaus in Auftrag gegebene und in der kaiserlichen Werkstatt in Hangzhou, China, gefertigte Wandteppich bietet einen seltenen Einblick in die Verbreitung von georäumlichen Konzepten und himmlischer Symbolik im buddhistischen Asien des 13. bis 14. Jh. Auf dem kesi, der vom tibetischen Buddhismus inspiriert war und somit auf indischen Vorbildern basierte, wurden die indischen Symbole entsprechend der chinesischen Ästhetik und Raumordnung in eine blau-grüne “Landschaft” übertragen, welche dann von einem Kreis von Bergen eingerahmt wurde. Dies wurde nach den geometrischen Prinzipien eines Mandalas gestaltet, wenn auch ohne Figuren.

Während sich das Motiv des Weltenbergs in der frühen chinesischen Grabkunst anhaltender Beliebtheit erfreute, da es an die sagenumwobenen Inseln der Unsterblichen erinnert, regte die Einführung des buddhistischen kosmologischen Modells in der Abhandlung Abhidharmakośa aus dem 4./5. Jahrhundert die Schaffung neuer visueller und architektonischer Darstellungen des Universums an.

In unserem Vortrag werden wir zunächst einige frühe Beispiele von Repräsentationen des Meru aus Dunhuang untersuchen, insbesondere die Anordnung geometrischer und architektonischer Elemente entlang der vertikalen Achse, um die Entwicklung der visuellen Darstellungsformen zu rekonstruieren. Anschließend werden wir uns dem geographisch-theologischen Zentrum des Buddhismus zuwenden, dem Mahābodhi-Tempel von Bodhgaya, und die Ergebnisse unserer Untersuchung der zentralasiatischen Exemplare auf die Analyse zweier mandala-ähnlicher Steinplatten anwenden, die als Darstellungen (oder Nachbildungen) des vajrāsana, des Sitzes des Buddha, angesehen werden. Schließlich bringt uns unsere Analyse zurück zum kesi und offenbart die vielschichtige Semantik der Meru-Bilder.

 

 

Dr. Di Luo ist Chu-Niblack Assistant Professor of Art History and Architectural Studies am Connecticut College und derzeit Visiting Scholar am Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Chinesische Architektur im globalen Kontext und die Anwendung von 3D-Modellierung für den Bereich Architekturgeschichte.

E-mail: dluo1(at)conncoll.edu

3D models: https://sketchfab.com/dluo/models

 

Dr. Gerald Kozicz ist Architekturhistoriker mit Fokus auf Architektur und materielle Kultur im westlichen Himalaya und Nordindien. Momentan leitet er ein Projekt zur Dokumentation und Digitalisierung des kulturellen Erbes von Chamba (Himachal Pradesh/Indien) am Institut für Architektur und Medien (IAM) der TU Graz. Informationen zu diesem Forschungsbereich sind zu finden unter https://iamweb01.tugraz.at/research/chamba/blog/ und https://iamweb01.tugraz.at/research/nagara/.

 

Bitte beachten Sie, dass die Vortragssprache Englisch ist.

 

Erstellt von: Dr. Ines Konczak-Nagel