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Italia Regia

Ghignoli, Antonella / Huschner, Wolfgang / Jaros, Marie Ulrike: Europäische Herrscher und die Toskana im Spiegel der urkundlichen Überlieferung (800-1100) / I Svrani Europei e la Toscana nel riflesso della Tradizione Documentaria (800-1100), Leipzig 2016 (Italia Regia 1)

Mittelalterliche Herrscherurkunden sind nicht länger als bloße Rechtsdokumente, sondern vielmehr als hochkomplexe Medien zu betrachten. In ihnen spiegeln sich die Beziehungen der Eliten wider und werden im Text sowie grafisch zum Ausdruck gebracht. Das Datenbankprojekt „Italia Regia“ erfaßt systematisch die Herrscherurkunden des 7. bis 11. Jahrhunderts für Empfänger im Regnum Italiae nach diesen Aspekten. Mit dem vorliegenden Sammelband, in dem die Beiträge der Tagung „Europäische Herrscher und die Toskana im Spiegel der urkundlichen Überlieferung“ zusammengefaßt sind, wird die gleichnamige Reihe eingeführt. In ihr sollen die Ergebnisse zu den Forschungen über
die einzelnen Regionen veröffentlicht werden.

Der vorliegende Band stellt unter anderem das Projekt näher vor und vereint daneben Einzelstudien von französischen, italienischen und deutschen Autoren zu Urkundenempfängern in der Toskana. Außerdem werden bislang unbekannte Überlieferungsträger ediert und in Abbildung veröffentlicht.

 

Inhaltsverzeichnis:

François Bougard: Diplômes et notices de plaid: dialogue et convergence
Karina Viehmann: Die Herrscherurkunden für die Toskana im nachkarolingischen Regnum Italiae (888–926)
Sebastian Roebert: Herrscherurkunden des 9. und 10. Jahrhunderts für das Kloster San Salvatore al Monte Amiata: Eine Bestandsaufnahme
Giulia Barone: La documentazione imperiale e papale a favore dei monasteri toscani nel X secolo: il ruolo di Adelaide di Borgogna
Antonella Ghignoli: Italia Regia – Etruria – Lucca. Un nuovo diploma per l’abbazia di S. Salvatore a Sesto: D O. I. 270
Paolo Tomei:Coordinamento e dispersione. L’arcicancelliere Uberto di Parma e la riorganizzazione ottoniana della marca di Tuscia
Andrea Antonio Verardi: I nobili di Ripafratta e tre diplomi di Ottone III. Diplomi imperiali e strategie di legittimazione nobiliare nel tardo medioevo
Nicolangelo D’Acunto: I rapporti tra i marchesi di Toscana e i sovrani salici nel riflesso di diplomi e placiti (1027–1100)
Wolfgang Huschner: Empfänger – Vermittler – Schreiber. Die inhaltliche und graphische Entstehung der Diplome Konrads II. (1024–1039) für Destinatäre in der Toskana
Claudia Hentze: Königsschutz und Immunität. Die Muntbriefe Kaiser Heinrichs III. – eine Bestandsaufnahme
Silio Scalfati:Diplomatische Anmerkungen zu den mittelalterlichen Urkunden der Pisaner Archive
François Bougard: Les „plaids“ pour destinataires toscans
Antonella Ghignoli e Umberto Parrini: Il sistema informatico del progetto “Italia Regia”. Risultati per la Toscana

Editionen:
Sebastian Roebert: Diplom Karlmanns für das Kloster S. Peter und Andreas Novalesa (D Kar. 52)
Sebastian Roebert und Karina Viehmann: Diplom Widos für Bischof Zenobius von Fiesole (D Wi. 1)
Antonella Ghignoli: Il diploma di Ottone II per Pietro, vescovo di Fiesole (D O. II. 277)
Antonella Ghignoli: Il diploma di Corrado II per Iacopo, vescovo di Fiesole (D Ko. II. 78)

 

 

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Die unterschiedlichen Interpretationen der Herrscherurkunden in der jüngeren diplomatischen und historischen Forschung, vor allem bezüglich der Relationen zwischen ihrem Rechtsinhalt und ihrer Bedeutung für die Kommunikation zwischen den regionalen Großen und den Herrschern, sowie das noch lange nicht erschöpfte Erkenntnispotenzial dieser Quellenart erfordern die Fortsetzung diplomatischer Grundlagenforschungen. Qualitative Fortschritte bzw. methodische Veränderungen bei den diplomatischen Untersuchungen haben meist neue oder modifizierte historische, kunst-, kultur- oder sozialgeschichtliche Interpretationen zur Folge. Herrscherurkunden waren Ergebnisse von Verhandlungen zwischen der Empfängerund der Ausstellerseite, an denen auch Vermittler beteiligt sein konnten. Die Interessen dieser drei Kommunikations- und Verhandlungspartner sollten bei den Diplomuntersuchungen berücksichtigt werden. Entsprechend der methodischen Ausrichtung der Reihe galt den Perspektiven der Empfänger und der Vermittler die besondere Aufmerksamkeit.

Drei Hauptfragen standen bei den diplomatischen Untersuchungen im Mittelpunkt:
1. Welche Entstehungsstufen und Merkmale spiegeln den zwei- bzw. dreiseitigen Verhandlungsprozess bzw. den Vertragscharakter der Diplome wider?
2. Welche Funktionen sollten die Diplome in der Zeit ihrer Entstehung erfüllen?
3. Wie ist die Relevanz der äußeren und inneren Merkmale im Hinblick auf die verschiedenen Funktionen der Diplome zu beurteilen?

Um diese Fragen zu beantworten, wurden nach dem Vorbild von Michael Thomas Clanchy verschiedene Stadien in der „Biographie“ der Königs- bzw. Kaiserurkunden in den Blick genommen: einerseits ihre Entstehung bzw. Vorgeschichte und andererseits ihr gegenwartsbezogenes Bedeutungsspektrum zu Lebzeiten von Aussteller, Empfänger und Vermittler. Das erforderte die Einbeziehung von früher und parallel ausgestellten Urkunden verschiedener Arten und Aussteller, die direkt oder indirekt mit dem jeweiligen Diplom inhaltlich oder graphisch verbunden waren. Dafür sollten die Originale, die verschiedenen Vorurkunden (Herrscher-, Gerichts-, Papsturkunden, Urkunden anderer Aussteller) sowie Parallelüberlieferungen (z.B. Doppelausfertigungen für einen Empfänger, Diplome für verschiedene an einer Vereinbarung beteiligte Empfänger) herangezogen werden. Dazu kamen Abschriften der Originale in verschiedenen Formen (imitierende Kopien verschiedener Grade, Gerichtsurkunden, notarielle Kopien, „einfache“ Abschriften auf separaten Pergamenten). Um dem aktuellen Bedeutungsspektrum der Diplome nachzuspüren, sollte deren Entstehung in unterschiedlichen politischen Konstellationen der Herrschaftsverbände bzw. in verschiedenen Situationen auf der Aussteller- und der Empfängerseite analysiert werden.

Zum Inhalt

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d'Acunto, Nicolangelo / Huschner, Wolfgang / Roebert, ORIGINALE – FÄLSCHUNGEN – KOPIEN. Kaiser- und Königsurkunden für Empfänger in „Deutschland“ und „Italien“ (9.–11. Jahrhundert) und ihre Nachwirkungen im Hoch- und Spätmittelalter (bis ca. 1500) / ORIGINALI – FALSI – COPIE. Documenti imperiali e regi per destinatari tedeschi e italiani (secc. IX–XI) e i loro effetti nel Medioevo e nella prima età moderna (fino al 1500 circa) Leipzig 2017 (Italia Regia 3)

Die Union zwischen dem ostfränkischen und dem italienischen Regnum bildete seit 962 den Kern des westlichen hochmittelalterlichen Imperiums. Das nord- und das südalpine Regnum wurden nicht nur in Personalunion regiert, sondern waren auch durch vielgestaltige personale Verbindungen auf der Ebene der sozialen Führungsgruppen (u. a. Versammlungen der Herrscher mit nord- und südalpinen Großen an Orten diesseits und jenseits der Alpen, „gemischte“ Personalstrukturen am Herrscherhof, Besetzungen von Bistümern in Italien mit nordalpinen Geistlichen und manchmal umgekehrt) miteinander verzahnt. Für die Untersuchung der verschiedenen Integrationsgrade der regionalen geistlichen und weltlichen Großen in die Binnensphäre der Kaiser- und Königsherrschaft stellen die Herrscherurkunden (Diplome) die wichtigste Quellengruppe dar. Sie sind rechtliche, politische und exklusive Dokumente, integriert in die üblichen mündlichen und demonstrativen Kommunikationsformen zwischen den Großen und dem Herrscher.

In diesem Band liegt der Fokus auf dem Vergleich der aktuellen Relevanz und der Nachwirkung von Originaldiplomen für nord- und für südalpine Destinatäre. Die Relationen zwischen Originalen, Fälschungen, beglaubigten Abschriften und Kopialbüchern wurden bisher nicht eigens erforscht. Dazu soll dieser Band grundlegende Anregungen liefern.

 

Inhaltsverzeichnis:

Wolfgang Huschner: Einleitung
Theo Kölzer: Cui bono? Beobachtungen zur Wirksamkeit von Urkundenfälschungen
François Bougard: Les actes souverains dans les notices de plaids italiennes: originaux, copies, faux 
Corinna Mezzetti: La tradizione dei diplomi dell’abbazia di Pomposa del sec. XI: copie antiche e transunti quattrocenteschi della commenda estense
Giacomo Vignodelli: Prima di Leone. Originali e copie di diplomi regi e imperiali nell’Archivio Capitolare di Vercelli
Antonella Ghignoli: “Die Geschichte jeder Urkunde”. Diplomi in originale, diplomi in copia negli archivi di destinatari della Toscana orientale
Mark Mersiowsky: Früh- bis spätmittelalterliche Kopien karolingischer Diplome für „deutsche“ und „österreichische“ Empfänger
Wolfgang Huschner: Hoch- und spätmittelalterliche Fälschungen und Kopien ottonischer und salischer Diplome für Empfänger in Merseburg, Meißen und Naumburg
Guido Cariboni: Le copie dei diplomi regi e imperiali per l’abbazia dei SS. Leone e Marino di Pavia
Gianmarco Cossandi: La tradizione copiale e i falsi per Santa Giulia di Brescia
Gianmarco De Angelis: La tradizione in copia dei diplomi regi e imperiali per la chiesa vescovile di Bergamo (secoli IX–XI)
Nicolangelo D’Acunto: La tradizione dei diplomi imperiali per l’abbazia di Sansepolcro nei secoli XIII–XVI
Simone Collavini/ Paolo Tomei: Beni fiscali e “scritturazione”. Nuove proposte sui contesti di rilascio e falsificazione di D O. III. 269 per il monastero di S. Ponziano di Lucca
Thomas Vogtherr: Die Fälschungen der Osnabrücker Herrscherurkunden. Anlass, Wirkung und weitere Verwendung im Mittelalter
Andrea Stieldorf: Die abschriftliche Überlieferung von Herrscherurkunden des 11. Jahrhunderts für Bamberger Empfänger 
Andreas Klimm: Ottonische Diplome im Bestand des Landesarchivs Sachsen-Anhalt. Originale, Falsifikate und kopiale Überlieferungen
Mathias Kälble: Original und Fälschung. Transsumpte ottonischer Herrscherurkunden für das Bistum Meißen
Francesco Roberg: Original, Abschrift und Fälschung in Hersfeld. Versuch einer Synthese anhand der Herrscherurkunden

 

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Roebert, Sebastian/ Ghignoli, Antonella/ Neustadt, Cornelia/ Kolditz, Sebastian: Von der Ostsee bis zum Mittelmeer. Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte für Wolfgang Huschner / Dal Mar Baltico al Meditteraneo. Ricerche di storia medievale per Wolfgang Huschner, Leipzig 2019 (Italia Regia 4)

„Von der Ostsee zum Mittelmeer“ – diese beiden Pole charakterisieren nicht nur wichtige Stationen des Lebensweges von Wolfgang Huschner, sondern markieren auch grundlegende Koordinaten seiner akademischen Interessen.

Die Autoren der hier versammelten Beiträge orientierten sich jeweils an einem der skizzierten Forschungsfelder des Jubilars, ohne dass dies zu einer strikten thematischen Beschränkung geführt hätte. Demzufolge spiegeln sie ein weit gestreutes inhaltliches Spektrum wider, das durch die Gliederung in fünf Sektionen zur Diplomatik, zur Herrschaftsgeschichte, zu mittelalterlichen Fernbeziehungen, zur Kloster- und Ordensgeschichte sowie zur Landesgeschichte Mecklenburgs nur sehr grob umrissen werden kann. In manchen Fällen wäre auch eine andere Zuordnung möglich gewesen – wie auch im Schaffen Wolfgang Huschners sind also diese Felder keineswegs streng voneinander isoliert, sondern vielfältig miteinander verbunden.

In Ihrer Tiefe und Vielfalt stellen die Artikel eigene Forschungsbeiträge dar und bieten zudem Anregungen für weitere Untersuchungen – ganz im Sinne der wissenschaftlichen Ansätze des Jubilars und ihrer Wirkung.

 

Inhaltsverzeichnis:

Im Spiegel der Urkunden
Reinhard Härtel: Die hochmittelalterlichen Urkunden des Domkapitels von Aquileia: Erhaltenes und Verlorenes
Antonella Ghignoli: Lunga storia di un testo. La costituzione di Rodolfo I, priore di Camaldoli, per la fondazione del monastero di S. Pietro di Luco (1086–1758)
Sebastian Roebert: Neuschöpfung aus Pragmatismus? Das Monogramm Karlmanns von Ostfranken
Andrea Stieldorf: Erzbischof Wichfried von Köln (924–953) und die Frauenkonvente St. Ursula und St. Cäcilien. Die Anfänge erzbischöflich-kölnischer Urkunden in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts
Rolf Große: Alexander III. und die Zinspflicht der Abtei Lagny. Mit einer Edition von JL 13336
Nicolangelo D’Acunto: Il diploma di Federico I Barbarossa per Assisi (1160)
Marie Ulrike Jaros: Eine gefragte Autorität. Urkundenfälschungen der Cölestiner auf den Grafen Gualterio di Pagliara
Michel Margue: Verschriftlichung und Institutionalisierung der Herrschaftspraxis: zwei Seiten einer Medaille? Zur Entwicklung fürstlicher Herrschaft am Beispiel der Grafschaft Luxemburg (Ende des 12. bis Anfang des 14. Jahrhunderts)
Elfie-Marita Eibl: Konfusion in der Kanzlei oder die Macht der Impetranten? Anmerkungen zur Urkundenpraxis Kaiser Friedrichs III. (1440–1493)
Ivonne Kornemann: Die Handschrift rkps 67 des Prämonstratenserinnenstifts Zwierzyniec bei Krakau: Sicherung und Organisation konstitutiven Wissens

Herrschaftssymbolik und Herrschaftspräsenz
Theo Kölzer: Die Salier haben einen Vogel
Daniela Rando: A partire dalle “Honorantiae civitatis Papiae”. Pavia capitale come tema storiografico
Vera von Falkenhausen: Symeon der Halbgrieche? (Liutprandi Antapodosis, III, 29)
Andreas Müller: Der gerügte Kaiser. Kurioses rund um eine kuriose Textstelle bei Liudprand von Cremona (Antapodosis V 25)
Enno Bünz: datum apud Lipizk – Der Staufer Friedrich II. am 26. Oktober 1216 in Leipzig
Peter Neumeister: Königliche Präsenz im mittelalterlichen Berlin-Kölln
Olaf B. Rader: Mit Schwert, Stock, Stab und Hand: Die Rittererhebungen Kaiser Karls IV. 1355 in Rom
Torsten Fried: Italien — Byzanz — Russland: Der Herrscher zwischen Freigiebigkeit und Reichtum

Transalpine und andere Kommunikationen
Michael Borgolte: Die Welt der drei Kontinente. Das Mittelalter als Periode der Globalgeschichte
Rudolf Schieffer: Zum Schriftverkehr zwischen Hinkmar von Reims und dem Papsttum
Sebastian Kolditz: Gesandtschaften, Briefe und Konzilien in den Beziehungen Ludwigs II. von Italien zu Byzanz
Eric Böhme: Der zweite Ägyptenzug König Amalrichs von Jerusalem 1164
Fouteini Kolovou: Übersetzungen und Grenzübertritte zwischen Rom und Byzanz im 14. Jahrhundert
Sven Jaros: Das Lateinische Patriarchat von Konstantinopel im 14. Jahrhundert. Ein nebulöses Amt zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Klöster im europäischen Kontext
Giulia Barone: I benedettini a Roma (VI–XIV secolo)
Blanca Garí de Aguilera: Klosterlandschaften/Forschungslandschaften. „Claustra“ und die Zisterzienserinnen in Katalonien (1146–1333)
Ralf Lusiardi: Regionale Klosterbücher in diachroner und komparativer Perspektive
Michael Lindner: Ex oriente dux. Fürst Roman von Halyč-Volyn’, das Erfurter St. Peterskloster und der Thronstreit zwischen den Königen Philipp und Otto (1198–1208)
Arnold Esch: Der Mönch als Soldat. Selbstzeugnisse entlaufener Mönche (ca. 1440–1500)
Cornelia Neustadt: Eine Reisekostenabrechnung aus dem Jahr 1493. Das Itinerar des Grünberger Prokurators Sigfried Usiner und die Präzeptorei in Tempzin

Mecklenburgica
Matthias Hardt: Zentrale Orte und frühe Klöster in Mecklenburg
Hans Ulrich Schmid: Sten und SteinErven und Erben. Sprachen und Sprachwechsel auf Inschriften in Greifswald, Stralsund und auf Rügen
Brigide Schwarz: Der Mord an dem Propst von Bernau am 16. August 1324 in Berlin und Heinrich II. von Mecklenburg
Thomas Rastig: Ein Benefizienregister für das Archidiakonat Rostock. Das Verzeichnis des Otto Bocholt von 1470
Wolfgang Eric Wagner: Der „Prügel-Propst“ von Güstrow. Wie sich Johannes Mileke (1462–1497) von einem Gewaltvergehen in seinen Rostocker Studententagen durch die päpstliche Pönitentiarie für unschuldig erklären ließ
Sandra Groß: In altissima paupertate altissimas divitias sapientiae thesaurizatas. Die Bibliothek des Rostocker Franziskanerklosters im Spiegel des Visitationsprotokolls von 1566
Ernst Münch: Rostock und Wismar. Erfahrungen und Ergebnisse bei der Edition frühneuzeitlicher Stadtbücher

 

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Europa im Mittelalter. Abhandlungen und Beiträge zur historischen Komparatistik

Herausgegeben von Michael Borgolte, Wolfgang Huschner und Barbara Schlieben

Die Reihe greift die in der Mediävistik oft erhobene, aber selten nachhaltig umgesetzte Forderung nach einer vergleichenden Betrachtung des europäischen Mittelalters auf. Seit 1999 werden hier Monographien und Sammelbände veröffentlicht, die gesellschafts- oder kulturhistorische, rechts- oder verfassungsgeschichtliche Fragestellungen in europäischer Perspektive behandeln. In den letzten Jahren werden auch verstärkt Ansätze zur transkulturell-globalhistorischen Erforschung Europas als Teil der mittelalterlichen Welt dokumentiert.

 

Hier finden Sie die Bände, die von der Leipziger Redaktion seit 2017 betreut wurden. Für die weiteren Bände sowie für weiterführende Informationen zum Erwerb der Bände schauen Sie bitte auf der Internetseite des DeGruyter-Verlags: zur Seite.

Wozniak, Thomas: Naturereignisse im frühen Mittelalter. Das Zeugnis der Geschichtsschreibung vom 6. bis 11. Jahrhundert, Berlin 2020 (Europa im Mittelalter, 31).

Die Umwelt wird zunehmend als vierte Grundkategorie der Geschichtswissenschaft neben Politik, Wirtschaft und Kultur wahrgenommen, aber gerade zum Früh- und Hochmittelalter fehlten bislang systematisch vergleichende Untersuchungen der Naturereignisse. Da die bisher angewandten Arbeitsweisen am frühmittelalterlichen Material versagen, mussten neue methodische Konzepte der Auswertung entwickelt werden, bei denen die überlieferten extremen Naturereignisse im Fokus stehen. Diese wurden aus historiographischen Quellen gefiltert, kategorisiert und analysiert. Dabei stellt sich einerseits heraus, dass mittelalterliche Autoren teilweise über unerwartet genaue Beobachtungsmöglichkeiten verfügten, sie aber andererseits ihre Beobachtungen nicht unreflektiert niederschrieben und keiner empirischen Genauigkeit verpflichtet waren. Insgesamt konnten anhand von Parallelüberlieferung oder Vergleichen etwa 1175 Ereignisse bezüglich ihrer intentionalen Nutzung analysiert werden. So bietet die Arbeit einen genauen Einblick in die Zuverlässigkeit der Wahrnehmung und die mögliche Instrumentalisierung der Darstellung extremer Naturereignisse und ihrer Folgen in den Quellen des 6. bis 11. Jahrhunderts.

 

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Neustadt, Cornelia: Kommunikation im Konflikt. König Erik VII. von Dänemark und die Städte im südlichen Ostseeraum (1423-1435) (Europa im Mittelalter, 32), Berlin 2018.

Dieser Band widmet sich der Kommunikation in einem Konflikt aus der Perspektive ihrer Quellen. Maßgebliche Gegenparteien sind Erich von Pommern als König von Dänemark, Norwegen und Schweden sowie die Städte Lübeck, Hamburg, Stralsund, Rostock, Wismar und Lüneburg; den zeitlichen Rahmen bilden die Jahre 1423 bis 1435. Aufbauend auf einer Geschichte und Analyse der Archivbestände zu diesen Auseinandersetzungen werden drei Komplexe der Kommunikation vorgestellt: Die Entstehung und Wirkungsgeschichte eines Bündnisvertrages, der Tosate von 1423, der den grundsätzlichen Interessensgegensatz der Parteien demonstriert; einer erfolglosen Friedensmission der Jahre 1427/1428, die ungeheure Mengen an Schriftlichkeit produzierte, grundsätzlich aber an der Verweigerung von Schriftlichkeit scheiterte; und schließlich die Verhandlungen der Jahre 1428 bis 1434. Das Buch verknüpft die Methoden der Historischen Grundwissenschaften, die nach den Formen der Schriftzeugnisse, den damit verbundenen Bedeutungen und Funktionen fragt, mit den weitergehenden Dimensionen von Kommunikation als Wechselspiel von Informationsaustausch, Strategie, Inszenierung und Verständigungswillen

 

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Böhme, Eric: Die Außenbeziehungen des Königreiches Jerusalem im 12. Jahrhundert. Kontinuität und Wandel im Herrscherwechsel zwischen König Amalrich und Balduin IV. (Europa im Mittelalter, 33), Berlin 2019.

Das Königreich Jerusalem, das 1099 nach der Eroberung der Heiligen Stadt entstanden war, prägte für fast 200 Jahre die Geschichte des Nahen Ostens. Seine politische Entwicklung wurde maßgeblich durch den Herrschaftsstil des gerade amtierenden Königs bestimmt und war damit stets den Faktoren Kontinuität und Wandel unterworfen. Die vorliegende Arbeit untersucht dieses Phänomen anhand der Außenbeziehungen unter Amalrich und seinem Sohn Balduin IV. (1163–1185). Ausgiebige Behandlung erfahren nicht nur die Beziehungen zu den islamisch geprägten Herrschaftskomplexen des Nahen Ostens und Kleinasiens, sondern ebenso jene zu Byzanz, zu den nördlichen Kreuzfahrerherrschaften sowie zu weiteren christlich geprägten Herrschaftskomplexen der Region. Auch die Beziehungen zu den verschiedenen Ansprechpartnern in Europa werden mit in den Blick genommen. Durch die ausführliche Analyse des weitgespannten Beziehungsnetzwerkes, das die Jerusalemer Könige und ihre Berater in der Zeit zwischen dem Zweiten und Dritten Kreuzzug unterhielten und aktiv weiterentwickelten, soll die bedeutende Rolle des Königreiches im Spannungsfeld zwischen dem lateineuropäischen, griechischen und islamisch geprägten Kulturraum deutlicher als bisher herausgestellt werden.

 

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Roebert, Sebastian: Die Königin im Zentrum der Macht. Reginale Herrschaft in der Krone Aragón am Beispiel Eleonores von Sizilien (1349–1375) (Europa im Mittelalter 34), Berlin 2020.

Die Herrschaft von Königinnen gehört aktuell zu den am stärksten diskutierten mediävistischen Forschungsfeldern. Gleichwohl können in diesem Themenfeld aufgrund der oft sehr lückenhaften Quellenlage oft nur hypothetische Ergebnisse gewonnen werden. Die vorliegende Studie gestattet hingegen aufgrund einer breiten Quellenbasis, empirisch gesicherte Aussagen zur reginalen Herrschaft in der Krone Aragón zu tätigen. Als Fallbeispiel dafür dient Eleonore von Sizilien, als Gemahlin Peters IV. Königin in der Krone Aragón (1349–1375). Ihre Handlungsspielräume werden sowohl in ihrem Wirken als consors ihres Gemahls als auch als dessen Statthalterin untersucht. Einen besonders wichtigen Aspekt dafür stellt die Koordination der Regierung zwischen den beiden Monarchen dar, die sich anhand ihrer Korrespondenz detailliert herausarbeiten läßt. Darüber hinaus werden die sozialen Verbindungen mit den führenden Gruppen der Krone Aragón untersucht. Durch die Untersuchung dieser verschiedenen Felder kann gezeigt werden, dass die Herrschaftsausübung der Königin für die Monarchie essentiell ist. Damit lassen sich die Rolle der Herrscherin als politische Akteurin sowie das Verständnis der Monarchie als vielgliedrige Regierungsform besser konturieren.

 

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Kohl, Thomas (Hg.): Konflikt und Wandel um 1100. Europa im Zeitalter von Feudalgesellschaft und Investiturstreit (Europa im Mittelalter, 36), Berlin 2020.

Die Jahrzehnte um 1100 waren in Europa eine einschneidende, konfliktreiche Wendezeit. Dieser Band betrachtet die Entwicklungen dieser Zeit nicht in nationalen Kontexten und Deutungschemata, sondern geht von Konflikten aus. Die einzelnen Beiträge beleuchten die Beziehungen zwischen ideengeschichtlichen Entwicklungen und lokalen Konflikten mit einem unterschiedlichen regionalen, lokalen oder gar persönlichen Zuschnitt, mit Schwerpunkten in Italien, Frankreich und im römisch-deutschen Reich. Viele Beiträge präparieren die Momente heraus, in denen neue Formen der Entscheidungsfindung in Konflikten vor dem Hintergrund der politischen und strukturellen Umbrüche der Zeit sichtbar wurden. Damit geraten die vorherrschenden Forschungsparadigmen zu dieser Zeit (z.B. Investiturstreit, Feudalgesellschaft, Kommunalisierung) in den Blick und werden hinterfragt. Im Ergebnis zeigt sich, wie komplex die Beziehungen zwischen Konflikten auf der lokalen Ebene und auf der Ebene der Reiche sowie den großen, übergreifenden Entwicklungslinien der Zeit waren. Der Wandel, der die Zeit um 1100 prägte, lässt sich so in neuer Weise als zusammenhängende, europäische Entwicklung verstehen.

 

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Klein, Franziska: Die Domus Conversorum und die Konvertiten des Königs. Fürsorge, Vorsorge und jüdische Konversion im mittelalterlichen England (Europa im Mittelalter, 37), Berlin 2021.

Im Jahre 1232 gründete der englische König Heinrich III. die Domus Conversorum, das Haus der Konvertiten, vor den Mauern Londons. Diese in vielerlei Hinsicht einzigartige Institution verband die Fürsorge für zum Christentum konvertierte Juden mit der Gestaltung ihrer christlichen Zukunft. Doch auch jenseits der Domus finden sich im England des 13. Jahrhunderts zahlreiche Zeugnisse einer umfassenden königlichen Konvertitenpolitik. So wurden konvertierte Juden nicht nur im Londoner Haus untergebracht, versorgt und unterrichtet, sondern zugleich auf Klöster und Hospitäler im ganzen Land verteilt oder direkt im Dienste der Krone beschäftigt. Diese Studie fragt nach den Umständen und Herausforderungen des englischen Umgangs mit Konversionen und analysiert diese vor dem Hintergrund ihres präventiven Potentials. Dafür nimmt sie sowohl Grenzüberschreitungen und Grenzziehungen im Kontext jüdischer Konversion als auch die Judenpolitik Heinrichs III. und Eduards I. in den Blick und zeigt auf, wie Fürsorgehandeln und Kontingenzbewältigung ineinandergriffen. Damit verbindet sie auf innovative Weise die Forschungsstränge der jüdischen Geschichte und der Geschichte christlicher Fürsorge durch die Perspektive des Zukunftshandelns.    

 

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