Die Klassische Archäologie in Leipzig bis 1991

Der Beginn archäologischer Lehrtätigkeit an der Leipziger Universität geht auf den Professor für Poesie Johann Friedrich Christ zurück, der ab 1735 den Studierenden erstmals Zeugnisse antiker Kunst zur kritischen Beurteilung vorlegte und damit den akademischen Archäologie-Unterricht in Deutschland einleitete. Kaum 100 Jahre später erfolgte 1834 die Gründung einer „antiquarischen Gesellschaft“, aus der 1874 als feste Universitätseinrichtung das Archäologische Seminar entstand.

Nach dem Vorbild von Göttingen und Bonn wurde seit 1840 auch in Leipzig eine Lehr- und Studiensammlung antiker Kunst aufgebaut, die trotz hoher kriegsbedingter Verluste heute immer noch zu den größten akademischen Kunstmuseen zählt. In der Folge entwickelte sich das Leipziger Archäologische Seminar zu einer angesehenen Lehr- und Forschungsanstalt, an der einflussreiche Gelehrte wie Johannes Overbeck, Franz Studniczka, Herbert Koch und Bernhard Schweitzer das Fach vertraten und aus der nicht wenige bedeutende Archäologen wie Andreas Rumpf und Ernst Langlotz hervorgingen.

Dem Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg unter Schweitzer und Koch setzten 1968 die gegen „bürgerliche Bildungsfächer“ gerichteten Maßnahmen der 3. Hochschulreform ein Ende: Der Lehrstuhl für Klassische Archäologie wurde aufgelöst und die Lehr- und Studiensammlung in Depots verbannt. Die Einrichtung bestand bis zur Wiederherstellung des Lehrstuhls 1991 als „Fachbereich Archäologie“ fort. Von 1991 bis 1997 hatte Eberhard Paul den Lehrstuhl inne, in dessen Amtszeit eine erste Neuordnung von Institut, Studiengang und Antikenmuseum fiel.

Die Renaissance nach 1991

Seit 1994 wurde das Institut mit Bibliothek, Fotothek und Mediathek kontinuierlich wiederaufgebaut, 1999 konnten – 125 Jahre nach der Gründung – die Räumlichkeiten im restaurierten historischen Gebäude Ritterstraße 14 am Nikolaikirchhof bezogen werden. Das angeschlossene Antikenmuseum ist in der Alten Nikolaischule bereits seit 1994 zugänglich. In den nächsten Jahren gilt es, die ehemals berühmte Sammlung von Gipsabgüssen griechischer und römischer Plastik instandzusetzen und sie für die Lehre nutzbar zu machen. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde durch die Aufstellung einzelner gereinigter Abgüsse im Studiensaal und in den anderen Räumlichkeiten des Instituts getan. Durch die intensive Einbindung der Sammlung und des Antikenmuseums in den Lehrbetrieb konnte an die goldenen Zeiten der Leipziger Klassischen Archäologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angeknüpft werden.

Im Rahmen struktureller Umbrüche an der Universität Leipzig im Jahre 2014, erfolgte die Anbindung der Klassischen Archäologie als Lehrstuhl an das historische Seminar. Im gleichen Zug begann die Erarbeitung eines neuen Bachelorstudiengangs in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Alte Geschichte und der Professur für Ur- und Frühgeschichte. Mit dem 2018 schließlich eröffneten Studiengang „Archäologie und Geschichte des Alten Europa“ wird aktuellen Ansprüchen an interdisziplinäre Lehre Rechnung getragen und die glanzvolle Geschichte der klassischen Archäologie in Leipzig fortgeschrieben.

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