"Schimmel, Rost und Regenzeit"
Transimperiale Entomologie zwischen materieller Instabilität und Improvisation
Kolloquiumssitzung der Professur für Neuere Kultur- und Ideengeschichte in Kooperation mit der Professur Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts.
Alina Marktanner (Aachen): “Schimmel, Rost und Regenzeit: Transimperiale Entomologie zwischen materieller Instabilität und Improvisation”
Der Vortrag beleuchtet die materiellen Bedingungen entomologischer Wissensproduktion in der Zwischenkriegszeit. Als Quellengrundlage dient die Korrespondenz zwischen Walther Horn, Direktor des Deutschen Entomologischen Instituts in Berlin-Dahlem, und Heinrich Hugo Karny, Entomologe am Zoologischen Museum in Buitenzorg (Java), aus den Jahren 1921 bis 1930, ergänzt durch zeitgenössische Fachpublikationen.
Drei Fragen leiten die Untersuchung: Inwiefern markierten Schimmel, Rost und Zerfall epistemische Grenzen, die bestimmten, welches taxonomische Wissen überhaupt produziert werden konnte? Wie war entomologische Wissensproduktion institutionell organisiert, und welche Spannungen bestanden zwischen systematischer und angewandter Entomologie? Wie wirkten sich imperiale Grenzverschiebungen nach 1918 auf die Zirkulation von Expertise und Material aus? Die Untersuchung verbindet Perspektiven der Wissenschaftsgeschichte der Sammlungswissenschaften, der Geschichte materieller Praktiken in der Wissensproduktion und der transimperialen Verflechtungsgeschichte.
Die These lautet, dass die Grenzen entomologischen Wissens in der Zwischenkriegszeit wesentlich durch materielle Bedingungen gezogen wurden, darunter Feuchtigkeit, Temperatur und Zeit. Technische Anpassungen wie die erste rostfreie Insektennadel verschoben diese Grenzen, indem sie den Bereich dessen erweiterten, was konserviert, transportiert und damit gewusst werden konnte.
Autor: Miriam Pfordte