Das Ägyptische Museum ist in mehrere Räume auf zwei Etagen gegliedert. Jeder Raum ist einem bestimmten Thema gewidmet. Um mehr über die einzelnen Räume und die darin ausgestellten Objekte zu erfahren, klicken Sie einfach eine der folgenden Rubriken an:

Blick in die Museumshalle

Unser Rundgang beginnt in der großen Ausstellungshalle (Raum 101), in der sich Reliefs und Statuen aus pharaonischen und nach-pharaonischen Epochen Ägyptens befinden. Die ausgestellten Objekte sind chronologisch angeordnet.

Die ältesten Relieffragmente stammen aus dem Alten Reich - der Zeit ab etwa 2700 v. Chr., in der sich Ägypten zum ersten Mal unter einer stabilen Königsherrschaft als Einheitsstaat etablierte. Aus dieser Ära sind vor allem die Pyramidenbauer Cheops, Chephren und Mykerinos bekannt, deren eindrucksvolle Grabmäler noch heute in Gizeh zu bestaunen sind. Einige der in der Ausstellungshalle aufgestellten Königsstatuetten und Fragmente zeigen diese Herrscher. Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Gesichtsfragment einer Statue von Pharao Chephren gelten, das wiederum aus sieben Stücken zusammengesetzt ist. Bei einer Grabungskampagne in der Nekropole von Gizeh 1909/1910 unter der Leitung von Georg Steindorff wurde kein vollständig erhaltenes Abbild des Königs gefunden, dafür unzählige Fragmente verschiedener Statuen. Nur wenige Bruchstücke können passend aneinandergefügt werden, sodass selten ein so guter Eindruck der ursprünglichen Gestaltung entsteht wie bei diesem Objekt. Neben den königlichen Plastiken sind auch mehrere Privatstatuetten bzw. -statuen aus dem Alten Reich ausgestellt, die fast vollständige Grabausstattung des Schreibers Nefer-Ihi sowie die Statuen und Dienerfiguren aus dem Grab des Beamten Djascha. Darunter sticht vor allem die „Schöne Müllerin von Leipzig" heraus, deren vergleichsweise feine Ausarbeitung sie zu einem besonderen Highlight machen.

Der chronologische Rundgang setzt sich mit Stelen und Denksteinen aus dem Mittleren Reich, der Zeit ab etwa 2140 v. Chr. fort, Relieffragmente und Stelen des Neuen Reiches (ab etwa 1550 v. Chr.) schließen sich an. Aus dieser Zeit stammen auch Sitzfigur und Würfelhocker des Ruju, der das Amt des Stellvertreters des Vizekönigs von Kusch bekleidete. Die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten von Privatstatuen zeigen unter anderem die Standfigur eines Mannes mit Götterbild, die fragmentarische Statue eines Sistrumträgers und die Statue eines Stelenträgers namens Minmose, bei dem sowohl Kopf als auch Schulterpartie modern ergänzt sind. Verschiedene Königsstatuetten des Mittleren und Neuen Reiches zeigen zudem einige Vertreter der Herrscher dieser Epochen. In einer Vitrine befindet sich der Kopf einer Statue von Königin Nofretete aus der Amarnaperiode als Replik.

Eine Hathorkuh mit Sphinx ist in die Spätzeit (ab etwa 660 v. Chr.) zu datieren, sie gehört zu den jüngeren Exponaten. Mit Reliefs und Stelen der griechisch-römischen Epoche Ägyptens sowie der römischen und arabischen Zeit endet der Rundgang in der Museumshalle.

Über zwei Treppen gelangt man von der Museumshalle in ein Zwischengeschoss, das Vestibül. Diese Fläche wird vor allem für regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen genutzt, beherbergt aber auch das Anfangsobjekt der Leipziger ägyptischen Sammlung: Den Holzsarg des Hedbastiru, der besonders durch seine filigrane Dekoration heraussticht. 

Große Vitrine im Schriftenraum

Von der Mittelebene erreicht man den Schriftraum. In einer großen Wandvitrine wird beginnend etwa 3000 v. Chr. der ägyptischen Schriftentwicklung das mesopotamische Schriftsystem, die Keilschrift, anhand verschiedener Beispiele gegenübergestellt. Scherben mit Zeichnungen, sogenannte Bildostraka, sind in einer weiteren Vitrine zu sehen. Außerdem sind zahlreiche hieratische und hieroglyphische Ostraka des Neuen Reiches ebenso zu sehen wie Scherben mit demotischen und koptischen Aufschriften aus der griechischen und arabischen Zeit.

Ebenfalls vom Vestibül aus zugänglich ist Raum 111, in dem Objekte aus der Vor- und Frühzeit Ägyptens ausgestellt sind. Gezeigt wird unter anderem Keramik der Naqadakultur, die um 4000 v. Chr. im Niltal ansässig war. Zudem wird eine Auswahl qualitätvoller Gefäße aus Kalzit-Alabaster, Kalkstein und diversen Hartgesteinen vorgestellt. Neben Schminktafeln zum Zerreiben der Augenschminke sind auch Spielsteine aus Elfenbein, Rollsiegel und Ketten aus verschiedenen Materialien zu sehen. In einer weiteren Vitrine können frühe Steinwerkzeuge sowie andere Grabfunde betrachtet werden.

Neben dem Neptunbrunnen führt eine Tür auf der rechten Seite in einen Raum, der sich durch eine hölzerne Wandtäfelung sowie eine Stuckdecke mit Greifen auszeichnet. In den einzelnen Kompartimenten werden Funde aus Nubien ausgestellt. Dazu gehören unter anderem Gefäße mit Ritzmustern, Schmuck und verschiedene Figurinen. Handwerklich besonders eindrucksvoll sind zwei Räucherständer aus Metall. Nubien, das heute zum Teil zur Republik Sudan gehört, war für die benachbarten Ägypter Kolonisationsgebiet, Rohstofflieferant und Station diverser Handelsrouten. Neben Objekten aus Kerma stammen die meisten Stücke der Leipziger Sammlung aus dem unternubischen Ort Aniba. Auch der tonnenförmige Tonsarg in der Raummitte wurde unter Leitung Georg Steindorffs 1912 in diesem Ort ausgegraben.

Raum 113 ist der Grabausstattung eines Totenpriesters gewidmet, der am Ende der 1. Zwischenzeit, um 2100 v. Chr., lebte. Das Grabinventar des Herischefhotep besteht aus zwei kastenförmigen Särgen und Grabbeigaben. Um den mumifizierten Leichnam zu schützen, setzten die Ägypter in der Regel mehrere Särge ineinander. In der Mitte des Raumes befindet sich der schmale innere Sarg, über dem eine Kopie des äußeren Sargdeckels schwebt. Der Kopf des Toten ruhte auf einer Kopfstütze. Unter dem inneren Sarg liegt der äußere Sargboden. Weitere Bestandteile des äußeren Sarges sind separat ausgestellt. Das Original des äußeren Sargdeckels kann man ebenfalls in einer einzelnen Vitrine besichtigen. Beide Särge sind beschriftet und mit Motiven bemalt, die Jenseitswünsche des Verstorbenen ausdrücken und den Erhalt von Opfergaben garantieren. Zur Ausstattung gehören auch die Mumienmaske, vier Gefäße und ein Sandalenmodell. Mitgegeben wurden dem Grabherrn außerdem zwei hölzerne Statuetten, das Modell eines Schlacht- und Küchenhofes und das eines Kornspeichers, vier Bootsmodelle sowie Stäbe und Bögen. Unter Glasrahmen an der Wand sind Schmuck und Leinenreste ausgestellt.

Ein Treppenaufgang führt zum 2. Obergeschoss. Unterhalb der Treppe befindet sich eine Einbauvitrine mit Objekten aus griechischer und arabischer Zeit, also Stücken aus nach-pharaonischen Epochen. In dazugehörigen Schubladen auf der rechten Seite sind Münzen, Stoff- bzw. Kleidungsreste sowie Papyrusfragmente zu betrachten. Wirft man einen Blick nach oben, entdeckt man dort eine Kopie des Papyrus Ebers, der längsten medizinischen Handschrift aus dem Alten Ägypten. Das Original befindet sich in der Universitätsbibliothek Leipzig, wird dort aus konservatorischen Gründen aber nicht ausgestellt. Eine Vitrine oberhalb des Treppenaufganges zeigt Objekte zum Thema „Ägypten-Rezeption“. Altägyptische Motive werden in der Neuzeit aufgegriffen und in Form von Gebrauchs- und Ziergegenständen, Souvenirs, Replikaten oder Fälschungen weltweit tradiert. Hier gibt es einige Kuriositäten zu entdecken.

Vom Treppenhaus gelangt man in das 2. Obergeschoss. Im ersten Raum ist das Modell einer Pyramide mit Tempelkomplex zu besichtigen. Das Original-Bauwerk befindet sich in Abusir und wurde für Sa-hu-Re, einen Pharao der 5. Dynastie, errichtet. Durch einen eingebauten Mechanismus ist es möglich, auch in das Innere des Tempels hineinzublicken., Neben dem Pyramidenmodell wird das Modell des Mastaba-Grabes des Beamten Tep-em-anch aus dem Alten Reich präsentiert. Mehrere aufklappbare Elemente ermöglichen auch hier einen Blick in die Innenräume. Ebenfalls in diesem Raum sind Relief und Scheintür des Seschemnefer positioniert, die Exponate stammen aus dessen Grab in Gizeh. Zwei Statuetten des Gottes Upuaut auf Standarten geleiten den Besucher in den Totenkultraum.

Dieser Raum führt in die Jenseitsvorstellungen der Ägypter ein, Bestattungs- und Balsamierungsrituale werden thematisiert und an Mumienfunden exemplifiziert . In der mittig platzierten Vitrine sind der farbig dekorierte Sarg und die Mumie der Ta-dit-Usir zu besichtigen. Eine Wandvitrine zeigt Objekte aus dem Totenkult sowie Mumienmasken verschiedener Epochen. Mumien von heiligen Tieren in veranschaulichen die Bedeutung des Götterkultes. An der Wand sind Langseiten eines spätzeitlichen Holzsarges angebracht, der einem Mann namens Iret-Hor-iru gehört.

Im Museum werden aus ethischen Gründen ausschließlich intakte Mumien, also solche mit vollständig erhaltener Wicklung, ausgestellt.

Verlässt man den Totenkultraum und passiert das Pyramidenmodell, betritt man das begehbare Magazin. Da das Ägyptische Museum Leipzig zugleich eine Lehrschausammlung für Studierende ist, werden die Objekte hier in einer Art Schaudepot präsentiert. Einen Überblick über die Verehrungszentren ägyptischer Gottheiten entlang des Nils bietet eine große Wandvitrine, in der über 30 Götterfigurinen zu sehen sind. Vereinzelt entspricht die Vitrinengestaltung im Magazin konkreten Sachgebieten bzw. Objektgruppen, z. B. erfolgt eine Einteilung in Skarabäen, Amulette, Siegel und Model, Uschebti und Schmuck. Zwei Vitrinen zeigen unter anderem eine Zusammenstellung von Kosmetikutensilien. Die ägyptische Keramikentwicklung von der prädynastischen Zeit bis zum Ende des Neuen Reiches veranschaulicht eine große Vitrinenfront im vorderen Bereich des Magazins. In den hinteren Vitrinen sind weitere Ton- und Steingefäße der Leipziger Sammlung aufgereiht.
Zudem wird unter Anderem die Formenvielfalt von Terrakotten abgebildet. Auch Öllämpchen, die vorallem im Haus Verwendung fanden, gehören zum Bestand des Ägyptischen Museums. Ganz am Ende der Vitrinenreihen am Fenster finden sich Gefäße für die Aufbewahrung bzw. Herstellung von Brot und Bier. Einer kleinen Vitrine mit Modellen und Fälschungen folgt das Tempelrelief mit der Gottesmutter Isis. In einer weiteren Wandvitrine sind Funde des Stadttempels von Aniba ausgestellt (zu Aniba siehe auch den Nubienraum).